Szene 4

31. Aug 2008 at 00:39 (A Hartz IV Lovestory) (, , , )

Ein Aufschrecken durchfuhr meine Glieder und somit auch mich. Zwei Stockwerke weiter oben würden sich nun die Spritzen mit Nährflüssigkeit an Roboterarmen aus der Decke senken, und Schweinebraten mit Sauerkraut und Kartoffelbrei in die Venen der anwesenden Kollegen drücken. Mein Verdauungsorgan, jahrelang auf den lieblichen Sirenenklang konditioniert begann sogleich Magensäure in erhöhter Menge zu produzieren, um die erwarteten Nährstoffe feinsäuberlich in ihre Bestandteile zu zersetzen. Es brodelte in mir, und es gab nur eine Möglichkeit, die drohende Selbstverdauung abzuwenden: Die Kantine.

Ich hetzte sofort los, meine begonnene Affäre vergessend, ja, jede Erinnerung daran bereits in meinem Magensaft zersetzend, auf den Aufzug zuzustürmen. Ich musste eine Weile stürmen, denn auch in diesem Stockwerk war der Lift unerfreulich weit von meinem Standpunkt entfernt errichtet worden. Es sollte mir aber gelingen ihn nicht nur zu erreichen, sondern gar ihn zu betreten.

Das Betreten dieses speziellen Exemplars eines Aufzugs war nicht allzu einfach. Die verrottenden Leichen der Aufzugputzkolonne erschwerten den Einstieg erheblich. Sie waren bei einer Fahrt aus dem obersten Stockwerk ums Leben gekommen, und niemand fühlte sich verantwortlich, sie wegzuschaffen. Ihr Geruch raubte mir den Atem, aber mir blieb keine Wahl, den nächsten Aufzug würde ich nicht mehr erreichen. Der unterste Knopf der Aufzugskontrollen war mit einem „K“ markiert und einem Totenkopf hinterlegt. „K“ nicht für Kantine oder Keller. Das K stand für Katakomben.

Der Aufzug setzte sich in Bewegung, er fuhr erst langsam, dann schneller, dann ziemlich schnell und schließlich verdammt schnell. Für Fahrten nach unten verwendete unser Aufzugssystem die sogenannte Freifalltechnik, die für die optimale Fahrzeit sorgte. Ein Druck auf einen Etagen-Knopf bewirkte zuerst, dass sich die Aufzugstür schloss, dann, dass sich unterhalb des gewünschten Stockwerkes Stahlträger in den Aufzugsschacht schoben, und schließlich das Ausklinken des Aufzugs aus der Verankerung. Für das Stockwerk K entfiel der mittlere Schritt, da es das unterste mit dem Aufzug erreichbare Stockwerk war. Für Fahrten nach oben wurden die Aufzugskabinen von Mietsklaven gezogen.

Die Ankunft in den Katakomben war erfahrungsgemäß etwas ruppig. Der Aufzug entschleunigte in dem er auf dem Boden aufprallte, was die üblichen unangenehmen Folgen hatte. Da ein derartiger Aufprall leicht tödlich enden konnte, trug ich, wie in der Firma vorgeschrieben, aufprallabfedernde Einlagen in den Schuhen. Die muffelnden Mitpassagiere aber augenscheinlich nicht, denn sie wurden hoch in die Luft geschleudert, prallten auf die Decke und fielen wieder hinab, direkt auf mich.

Ich befreite mich aus Knochen und Knorpeln und spuckte die modrigen Muskelmassen und verwesenden Membranen wieder aus, die sich in meinem vor Entsetzen leider geöffnet gewesenem Mund verfangen hatten, und betrat die Katakomben.

Ein breiter Gang verlief quer zur Aufzugspforte. Knochen und Knorpel waren auch hier omnipräsent. Die Wände bestanden aus übereinandergestapelten Reihen von Schädeln, und waren durchsetzt mit Oberschenkelknochen, so dass ein hübsches Fachwerkmuster entstand. Das „Wir bauen auf Sie“ in den Mitarbeiteransprachen unserer Chefs war in unserer Firma durchaus wörtlich gemeint. Human Resources waren das Fundament unseres Betriebes.

Im gekachelten Boden, der so gar nicht zu den knöchernen Wänden passen wollte, war ein schmaler Kanal eingelassen, der eine träge fließende rote Flüssigkeit transportierte. Dreißig Jahre altes Neonlicht beleuchtete die Szenerie. Ich hatte den Aufzug, aus dem ich getreten war zum ersten Mal verwendet, aber wusste, dass ich einfach den Kanälen folgen musste, um zu meinem Ziel zu gelangen. Ein gellender Todesschrei bestätigte bald meine Richtung. Der Schrei ging in ein Kreischen über, das erst lauter, dann aber doch wieder leiser wurde und schließlich verstummte. Ich musste mehrfach abbiegen, durch Schwingtüren und unter Plastikvorhängen hindurchtreten, bis ich auf eine große Doppeltür traf, über der in blutroten Buchstaben stand: Kantine

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A meaningful existence

27. Aug 2008 at 22:09 (Artikel für dicke Menschen) (, , , )

Teil vier und fünf meiner Hartz IV Lovestory sind bereits geschrieben, aber leider sind sie ziemlich mies. Da muss ich nochmal drüber schlafen. Man mag nun anführen, dass Teil eins bis drei schon ziemlich mies sind, aber hier kann ich mit Elan antworten: Guck mal dahinten, ein sprechender Kaktus!

Jetzt ein Gedicht, speziell für das Aereogramme hörende Publikum. Es heißt: „Von den Gefahren des Alkoholmissbrauchs und dem Wunder des Lebens“

Ein Trinker voller Hopfensaft,
kletterte mit letzter Kraft,
auf den langen Tresen
um dort zu verwesen.

Er faulte schon recht bald,
sein Fleisch das wurde alt,
und begann zu stinken
was schon stört beim Trinken.

Bald war er voller Maden
die in seinem Magen baden
und lustig dabei planschen
und Darmteile verramschen.

Dann war er nur noch Erde,
mit Gras drauf, drüber Pferde,
die ab und zu mal kackten,
das warn nun alle Fakten.

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This will destroy you

26. Aug 2008 at 22:27 (Positivpresse) (, , )

Das Kritisieren liegt dem Menschen im Blute, gerne mäkelt man an Schöpfungen anderer. Doch auch die Begeisterung über Kreationen eines Künstlers wird häufig mitgeteilt, in Feuilletons diverser Tagespublikationen und auf Internetseiten jeglicher Couleur und seltener auf aus Flugzeugen stürzenden Rinderhälften eingeritzt.

Als Vegetarier verbietet sich mir die Rinderhälfte von selbst, als Kreatur des Internets nutze ich selbiges, um ein Album zu besprechen. Ein Album einer Band, mit ordentlich Musik drauf.

Das Album hat den schönen Titel „This will destroy you“, die Band erstaunlicherweise ebenso. Meine Verblüffung darüber war recht mittel, ich blüffte vom Nachmittag, als ich es erfuhr, bis in den frühen Abend. Was war wohl zuerst, so schlängelte die Frage dem Fragezeichen, das sie beendet, gleich meine Gehirnwindungen entlang, das Album oder die Band?

Unerheblich, wird man jetzt sagen, und unerheblich sage auch ich. Es ist die Musik darauf, die zählt, und die ist, die erste Hürde nehmend, durchaus besprechenswert.

Das Album beginnt wenig überraschend mit dem ersten Stück, das ganz gut ist. Es folgt das zweite, dann das dritte. Als das vierte dann beginnt, meint man ein Muster zu erkennen, aber dann folgt erstaunlicherweise das fünfte! Die Stücke sechs und sieben bringen das Album zum Abschluss.

Besonders angetan haben es mir die Stücke Nummer eins, fünf und sieben. Sie sind sehr gut, etwas rauchig im Abgang, haben durchaus Feuer, und lassen das Tanzbeim recht flott in den Steinbock aszendieren.

Ich möchte nun abschließend eine Kaufempfehlung aussprechen: Kauft T-Shirts bei C&A, man bekommt so schöne Tüten dazu.

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Szene 3

24. Aug 2008 at 22:11 (A Hartz IV Lovestory) (, , )

Das Stockwerk, in das ich gelangte, war das Toiletten-Stockwerk. Man hatte aus Effizienzgründen beim Bau des Gebäudes die benötigte Anzahl an Toilettenschüsseln und Urinalen alle in einer riesigen Halle aufgestellt, und in die Mitte einen zwanzig Meter hohen Springbrunnen gebaut, der auch als Bidet verwendet werden konnte. Die Halle war weiß-blau gefliest im Stile alter römischer Bäder oder neuer Römerbadimitate, und wurde von von der Firma selbst genetisch designten Troglodyten mit grünschuppiger Haut und Schürzen saubergehalten, deren Odem reinster WC-Reiniger war. Die Trogs, wie sie abfällig genannt wurden, hielten sich meist im Hintergrund, wenn man am Geschäft war, und verwendeten ihre Peitsche nur, wenn man das Urinal verfehlte oder vergaß, die Klobürste zu verwenden, und es wirklich nötig gewesen wäre.
Ich war allerdings nicht zum Ausscheiden herabgestiegen, und so öffnete ich zugleich die Luke unter mir um das Stockwerk der Telefonabteilung zu betreten.

Die Telefonabteilung lag im ewigen Dämmerlicht, und bevor sich meine visuelle Wahrnehmung darauf eingestellt hatte, hörte ich schon die Stimmen und dazwischen das Rascheln und Kratzen, das man aus allen Telefonabteilungen dieser Welt kennt: Damenbärte. Teilweise nur Stoppeln, teilweise meterlang schlängelten sie sich durch den Raum. Sie wucherten in der dschungelartigen Atmosphäre prächtig. Die Telefondamen der Telefonabteilungen ließen sich die Bärte wachsen, um mit ihnen problemlos die Sprechmuscheln ihrer Telefone reinigen zu können. Es war ein stündliches Ritual, das von der Betriebsärztin vorgeschrieben war, um die Ansteckungsgefahr durch Überseegespräche zu verringern.

Ich beschaute die Damen der Abteilung, was durch die schlechte Beleuchtung nicht eben erleichtert wurde. Ich musste einige Barten beiseite schieben, verhedderte mich in Telefonstrippen und musste blitzschnell Billigvorwahlen tippenden Fingern ausweichen. Doch endlich fand ich sie: Sie hatte ein zartes Stimmchen, das gerade auf serbo-kroatisch oder womöglich einem Banto-Dialekt defekte Rollo-Rückschnapp-Federn zu beanstanden hatte. Sie entsprach, zumindest im Zwielicht und bis auf das zarte Bärtchen in ihrem Gesicht, dem Unterwäsche-Modell, das ich gefaltet in meinem Geldbeutel mit mir trug, und als meine Freundin ausgab.

Ich begann mit Konversation, sobald sie ihr Gespräch beendet hatte, denn das Wechseln von Worten ist Bestandteil jeder guten Affäre. Ich hatte etwas Mundlähmung, was vom eingeschränkten Gebrauch meiner Sprechwerkzeuge an diesem Morgen herrührte. Deshalb lies ich, Lässigkeit ausstrahlend an ihren Schreibtisch gelehnt, erst meinen Unterkiefer etwas kreisen, um wohlgeformte Worte ausstoßen zu können. Als ich mich in der Lage sah, einen ersten Vorstoß zu wagen, formulierte ich wundersame Wortkreationen und verkettete sie zu Sätzen, um sie zugleich auszusprechen. Sie schien von Inhalt und Form meiner Bemerkung angetan und antwortete in perlender Prosa, die ich begierig in mich aufnahm. So ging es hin und her bis zu diesem einen tragischen Augenblick, der alles zerstörte: Die Essenssirenen begannen zu heulen, es war Mittagsstunde.

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Szene 2

21. Aug 2008 at 20:38 (A Hartz IV Lovestory) (, , )

Ich arbeitete in einem Großraumbüro mit Millionen anderer Kollegen. Wir hatten alle einen eigenen Schreibtisch und einen eigenen Computer. Nur das Telefon mussten wir uns teilen. Es hängt vorne am Eingang während mein Tisch in der dreiundfünfzigtausendzwohundertsiebten Reihe ziemlich weit hinten stand. Ich brauchte den Großteil des Vormittags, um meinen Arbeitsplatz zu erreichen. Auf meinem Weg dorthin sah ich viel wundersames, aber ich nahm es nicht war, da ich es vorzog, mich von der angenehmen Stumpfheit des Fernsehprogramms hypnotisieren zu lassen, das auf meiner japanischen Armbanduhr angezeigt wurde. Die Anzeige war so klein, und die Technik so schlecht, das nur ein Teil des tatsächlichen Fernsehbildes angezeigt werden konnte, anstatt das Bild zu skalieren. Leider wurde hierfür die rechte obere Ecke gewählt, so dass ich nur das Senderlogo begutachten konnte, das aber auf der Wegstrecke, die ich zurückzulegen hatte, mehrfach die Hintergrundfarbe wechselte.

Wenn ich doch einmal meinen Blick von meiner Uhr lösen konnte, sah ich in die Reihen meiner Kollegen, die alle augenscheinlich kein Problem mit einfahrtsblockierenden Galaxien gehabt hatten. Sie saßen, den Kopf vornübergebeugt an ihren Schreibtischen, in der typischen Pose von Arbeitern, deren Chef nicht zu gegen war. Sie waren hilflos, wussten nicht, was zu tun war, und ließen ihren Tränen der Verzweiflung freien Lauf. Die Schreibtische boten hierfür einen speziellen Tränenkanal an, der dafür sorgte, dass Verträge, Urkunden und Bescheinigungen nicht an der salzigen Flüssigkeit Schaden nehmen. Es kam eine Menge des Drüsensafts zusammen, so viel, dass ich befürchtete, in den nächsten Tagen wieder Hochwassermeldungen im Radio hören zu müssen.

Ich erreichte meinen Platz und überlegte, ob ich in das allgemeine Wehklagen miteinstimmen sollte. Ich verspürte nicht die rechte Lust, und beschloss, stattdessen eine Affäre mit einer der Dame aus der Telefonabteilung anzufangen. Die Telefonabteilung war zwei Stockwerke tiefer, und da der Weg zurück zu den Aufzügen doch sehr erheblich war, schob ich meinen Stuhl beiseite und öffnete die Feuerwehrluke. Feuerwehrluken gab es an jedem Platz in jedem Stockwerk. Sie waren dafür da, dass im Brandfalle eine Legion Feuerwehrmänner an mit Hubschraubern getragenen silbernen Metallstangen tief ins Gebäude, und in ihren feurigen Tod rutschen konnten, wie Feuerwehrmänner das eben zu tun pflegten.

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Löwenzahn

21. Aug 2008 at 20:34 (Artikel für dicke Menschen) (, )

Auch ein Held wie ich muss zugeben: Tief in meinem Herzen bin ich ein Weichei. Von meinem stählern trainierten Herzmuskel umschlossen glibbert die flüssige Essenz meines Selbst und sorgt dafür, dass ich ab und an dem Klang eines Vögleins, wie der Amsel, dem Zaunkönig oder des Rotbauchwiedehopfes lausche, ich zarte Pflänzlein bewundere, die sich durch den Asphalt bohren (und dabei die Titelmelodie von Löwenzahn summe), oder ich gedankenverloren Wolkenformationen nachblicke, die wattige Städte am Firmament sein könnten.

Und das, obwohl mein normales Habitat eher die geschwärzten Mauern brennender Gebäude ist, aus denen ich jungfräuliche Damen mit schmachtendem Blick rette. Das ist die reine Wahrheit.

Und nun zu etwas völlig anderen: Der zweite Teil meiner Hartz IV Lovestory.

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Without permission

20. Aug 2008 at 22:09 (Artikel für dicke Menschen) (, , , )

Es gibt wahnsinnig viele Menschen auf der Welt, die alle wahnsinnig wichtige Gedanken denken, wenn sie nicht gerade vor dem TV herumdelirieren, oder eher doof sind. Diese wahnsinnig klugen Gedanken flitzen durch Brülliarden von Gehirnzellen und bleiben in quasi allen Fällen an irgendwelchen Fettpfropfen hängen, die den überfetteten Bürgern aller proto-industriellen Nationen mittlerweile drohen, von innen den Schädel aufzusprengen.

Deshalb wird heutzutage kaum noch Sinnvolles gedacht, und auch mir kam nur diese sinnleere Frage auf den Schirm, trotz „The National“ als Background-Untermalung: Welche Nation auf Erden hat wohl die größte Gesamtmasse? Es sind wahrscheinlich die Chinesen, weil es einfach so viele sind. Der U.S.-Amerikaner ist zwar deutlich fetter, kommt aber nur ein Viertel so häufig vor. Und obwohl es durchaus U.S.-Amerikaner gibt, in deren Fettschwarten deutlich mehr als vier Chinesen untergebracht werden können, gilt das erst ab 2048 für alle. Zudem darf man auch die chinesische Sumo-Fraktion nicht unterschätzen.

Ich denke es ist wichtig, die Gesamtmasse einer Nation so hoch wie möglich zu halten. Denn in einer Vision der Apokalypse, die ich eines Nachmittags nach Verzehr eines Quark-Törtchens mit Aprikose hatte, müssen am letzten aller Tage die verschiedenen Nationen um die wenigen Tickets in die heilbringende Nachwelt (in der es Pay-TV für alle gratis gibt, wie auf Gottes T-Shirt zu lesen war) kämpfen. Dazu verschmelzen alle Bürger einer Nation so power-ranger-mäßig zu einem Super-Chinesen, -Spanier oder -Lesothoaner. Diese treten sich dann so lange in die Eier, bis eine Nation keinen Bock mehr auf Pay-TV hat.

In diesem Sinne würde ich allen Bundesbürgern empfehlen, noch ordentlich zuzulegen, und zu hoffen, dass man am Ende aller Tage nicht in die Genitalregion geschmolzen wird.

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Szene 1

19. Aug 2008 at 20:56 (A Hartz IV Lovestory) (, )

Also ich eines morgens zur Arbeit fahren wollte, blockierte die NGC 3370-Galaxie aus dem Sternbild Löwe meine Einfahrt. Sie musste nachts vom Himmel gefallen sein, und dampfte sich jetzt in den Asphalt vor meiner Garage. Das war sehr ärgerlich, denn ich hatte es eilig, und der Bus den ich alternativ hätte nehmen können, war bereits vor einer viertel Stunde abgefahren. Ich betrachtete die Galaxie ein wenig, und fand sie recht hübsch anzuschauen, wenn sie auch bereits mit dem Asphalt verklumpte. Sie war spiralförmig, wie gute Galaxien das zu sein pflegen und schaffte es irgendwie, sich immer noch um sich selbst zu drehen. Sie flackerte allerdings schon ein wenig, wie eine alte Christbaumkerzenkette.

Ich nahm also das Fahrrad und fuhr zur Arbeit. Ich kam nur zehn Minuten zu spät, weil ich ziemlich gestrampelt hatte und in meiner Trinkflasche, die ich immer an meinem Rad hatte, noch fast einen halben Liter Eigenblut vorfand, den ich auf der Fahrt gierig verzehrte.

Mein Chef, mit dem ich gleich zu Arbeitsbeginn ein Gespräch haben sollte, hatte sich glücklicherweise auch verspätet. Seine informierte Sekretärin meinte, des nachts hätten bulgarische Verbrecherhorden mehrere seiner Chromosomen-Basen-Paare gestohlen, um damit lebendige Hotelbauten zu schaffen, die in der Lage sein sollten, den touristischen Gefahren der Welterwärmung zu trotzen, in dem sie dem sinkenden Meeresspiegel einfach folgen und so eine feste Distanz zum Strand einhalten würden. Ich hielt das für unwahrscheinlich, da der Meeresspiegel ja eher im Steigen begriffen war, wollte aber nicht unhöflich erscheinen und nahm die Erklärung nickend hin. Der Chef wäre erst wieder gegen Mittag da, er verfolgte die Banditen noch mit seinem Tarnkappenbomber.

Nun gut, dachte ich, der Morgen nimmt einen anderen Verlauf als ich erwartet habe, aber ich bin das gewohnt. Am Morgen zuvor hatte ich zum Beispiel erwartet das eine Terrorzelle den Nordflügel unseres Bürogebäudes in die Luft jagen würde. Aber sie kam erst am Mittag.

Ich beschloss, meinen Schreibtisch aufzusuchen.

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Rock Action

19. Aug 2008 at 20:53 (Artikel für dicke Menschen) (, )

Wer auf dem Weg in den kalten Krieg in einer Mischung aus Dönerresten und Hundeexkrement ausrutscht, muss sich nicht wundern, wenn er auf dem politischen Parkett nicht mehr ernst genommen wird, vor allem bei den Schuhen.

Das ging mir heute durch den Kopf, ich kann mir aber nicht direkt erklären warum. Jedefalls lief in meiner geistigen Jukebox „2 rights make 1 wrong“ von Mogwai dazu, und zwar dieser Anfangspart, dieses „Dunn-da-dunn-dunn, dunn-da-dunn-dunn“.

Dann kam mir ein weiterer Gedanke, was an sich schon recht bemerkenswert ist. Der Gedanke war dieser: „Schreib doch eine brilliante Story, und veröffentliche sie häppchenweise an eben dieser Stelle.“ Das war sehr befremdlich, denn ich stand gerade auf einer großen Kreuzung, und Automobile brausten hupend an mir vorbei. Ich schlussfolgerte rasiermesserscharf, dass nicht diese physische Lokation, sondern diese noch relativ jungfreundliche Internet-Notizablage gemeint ist!

Und so beginne ich mit meinem großen Zyklus „Dr. Pestalotzi – A Hartz IV Lovestory“.

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Life on Mars

17. Aug 2008 at 21:09 (Artikel für dicke Menschen) (, , )

Ich saß eines Abends in meinem Zimmer auf meinem Bett, der Laptop wärmte meine Schenkel und plärrte „Life on Mars“ von David Bowie. Ein typischer Abend, nur mit dem Unterschied, dass ich keine Lust hatte, mit David mitzusingen. Denn Gedanken spukten durch mein Gehirn und lähmten meinen oralen Output. Die Gedanken betrafen mehrere Themenkomplexe, von denen die meisten zu peinlich sind, schriftlich dargelegt zu werden. Ein paar betrafen meine Zukunft, denn leise Zweifel ob meiner Berufswahl und anderer Entscheidungen nagten schon lange an meinem Wohlbefinden, so lange, dass es wohl schon zur Hälfte weggenagt war.

Die Gedanken sammelten sich also in meinem Gehirn, und wirbelten umher, schrien sich an und kämpften sich gegenseitig nieder, so dass bald ein großes Getöse in meinem Kopf vonstatten ging, dass ich glücklicherweise mit einer Lautstärkekorrektur an meinem Laptop überdecken konnte. Ich hasse das Geschrei in meinem Kopf, denn kaum scheine ich einen sinnvollen Gedanken gefasst zu haben, wird er schon von tausend sinnleeren meiner Aufmerksamkeit entrissen und unter gedanklichen Exkrementen begraben. Mein Kopf ist mittlerweile voller Scheiße, es ist furchtbar.

Ich hatte also den Faden verloren und gab mich dem Rauschen in meinem Kopf und dem der schlechten Laptop-Boxen hin, als plötzlich die Decke über meinem Kopf hinfortgerissen wurde, und Gott mir direkt ins Angesicht blickte. Bevor ich etwas sagen konnte, oder auch nur vor Erfurcht erstarrt auf mein T-Shirt speicheln konnte, sprach der HERR mit einer verdammt lauten Stimmte, die David locker übertönte: „Tobias! Dein Leben ist kostbar, wirf es nicht weg. Du erkennst deine Bestimmung noch nicht, doch die Zeit wird sie dir zeigen.“

Was kann man da schon sagen? Ich starrte jedenfalls auf den Fleck, der mal meine Zimmerdecke gewesen war und stellte fest, dass Gott grüne Augen hatte. Universumsgroß steckten sie in seinem Kopf, durchbohrten mich mit ihrem Blick und zwinkerten nicht mal. Ach ja, und ein Bart hatte Gott auch, er war weiß und ziemlich lang, wie es in der Bibel steht und sammelte sich wie ein großer Lamettahaufen in der gegenüberliegenden Ecke des Raumes, meinen Schreibtisch unter sich begrabend. Blitzartig durchfuhr mich ein Gedanke: War nicht noch eine halbvolle Tasse Kaffee auf dem Tisch gestanden? Gottes Bart in meinem Kaffee, das kann nicht gut sein, das bedeutet mindestens Fegefeuer.

Gott sah mich erwartungsvoll an und ich antwortete. „Ich heiße nicht Tobias.“

Das göttliche „Oh.“ war das letzte was ich von hörte, danach war die Decke wieder da, wo sie hingehörte. Die Lampe schaukelte noch leise in dem, was wohl der Nachhall des göttlichen Odems gewesen ist.

David war fertig, ich ebenfalls.

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