Life on Mars

17. Aug 2008 at 21:09 (Artikel für dicke Menschen) (, , )

Ich saß eines Abends in meinem Zimmer auf meinem Bett, der Laptop wärmte meine Schenkel und plärrte „Life on Mars“ von David Bowie. Ein typischer Abend, nur mit dem Unterschied, dass ich keine Lust hatte, mit David mitzusingen. Denn Gedanken spukten durch mein Gehirn und lähmten meinen oralen Output. Die Gedanken betrafen mehrere Themenkomplexe, von denen die meisten zu peinlich sind, schriftlich dargelegt zu werden. Ein paar betrafen meine Zukunft, denn leise Zweifel ob meiner Berufswahl und anderer Entscheidungen nagten schon lange an meinem Wohlbefinden, so lange, dass es wohl schon zur Hälfte weggenagt war.

Die Gedanken sammelten sich also in meinem Gehirn, und wirbelten umher, schrien sich an und kämpften sich gegenseitig nieder, so dass bald ein großes Getöse in meinem Kopf vonstatten ging, dass ich glücklicherweise mit einer Lautstärkekorrektur an meinem Laptop überdecken konnte. Ich hasse das Geschrei in meinem Kopf, denn kaum scheine ich einen sinnvollen Gedanken gefasst zu haben, wird er schon von tausend sinnleeren meiner Aufmerksamkeit entrissen und unter gedanklichen Exkrementen begraben. Mein Kopf ist mittlerweile voller Scheiße, es ist furchtbar.

Ich hatte also den Faden verloren und gab mich dem Rauschen in meinem Kopf und dem der schlechten Laptop-Boxen hin, als plötzlich die Decke über meinem Kopf hinfortgerissen wurde, und Gott mir direkt ins Angesicht blickte. Bevor ich etwas sagen konnte, oder auch nur vor Erfurcht erstarrt auf mein T-Shirt speicheln konnte, sprach der HERR mit einer verdammt lauten Stimmte, die David locker übertönte: „Tobias! Dein Leben ist kostbar, wirf es nicht weg. Du erkennst deine Bestimmung noch nicht, doch die Zeit wird sie dir zeigen.“

Was kann man da schon sagen? Ich starrte jedenfalls auf den Fleck, der mal meine Zimmerdecke gewesen war und stellte fest, dass Gott grüne Augen hatte. Universumsgroß steckten sie in seinem Kopf, durchbohrten mich mit ihrem Blick und zwinkerten nicht mal. Ach ja, und ein Bart hatte Gott auch, er war weiß und ziemlich lang, wie es in der Bibel steht und sammelte sich wie ein großer Lamettahaufen in der gegenüberliegenden Ecke des Raumes, meinen Schreibtisch unter sich begrabend. Blitzartig durchfuhr mich ein Gedanke: War nicht noch eine halbvolle Tasse Kaffee auf dem Tisch gestanden? Gottes Bart in meinem Kaffee, das kann nicht gut sein, das bedeutet mindestens Fegefeuer.

Gott sah mich erwartungsvoll an und ich antwortete. „Ich heiße nicht Tobias.“

Das göttliche „Oh.“ war das letzte was ich von hörte, danach war die Decke wieder da, wo sie hingehörte. Die Lampe schaukelte noch leise in dem, was wohl der Nachhall des göttlichen Odems gewesen ist.

David war fertig, ich ebenfalls.

Einen Kommentar hinterlassen