Only Skin

30. Sep 2008 at 20:05 (Artikel für dicke Menschen) (, , , )

Ich hatte mal wieder einen Traum. Wild feuernde Synapsen, oben, in meinem Kopf, gaben mir während des REM-Schlafes folgendes ein: Ich saß auf einem Dromedar, das 5000 Kilometer lang war. Das war spektakulär anzusehen. Aber auch ich war um die 4000 Kilometer groß. Und auch die Welt war um den entsprechenden Faktor gewachsen. Insgesamt hielt sich die Spektakulärität also in Grenzen. Während meines Ritts durch die Sahararandgebiete, die sich viele Gigameter erstreckten, streckte ich die Arme aus, und maß eine beträchtliche Strecke Luft ab, nur um mich der ungewöhnlichen Größen zu erfreuen. Klug war es nicht, denn das Dromedar stolperte über einen megagroßen Stein und warf mich ab. Ich flog eine ganze Weile dem Erdboden zu, und prallte auf meinen Kopf. Ich träumte weiter, mein Bewusstsein zu verlieren, und begann einen Traum im Traum zu träumen.

Ich träumte, alle Menschen wären dem Reptil verwandt. Und zwar so nah, dass wir die Angewohnheit haben, jedes Frühjahr unsere alten Häute abzulegen, um uns einer frischen Schicht unseres Schutzorgans zu erfreuen. Die Verwendungsmöglichkeiten für Althäute war vielfältig, einige schneiderten Mäntel für ihre Liebsten daraus, andere nicht. Oft wurden die Häute auch aufgeblasen und in die geleerten Schwimmbecken maroder Schwimmbäder gekippt, wo man auf ihnen herumtollen konnte, denn sie federten sehr gut. In pornographischen Filmen atzten sich Pornographen an den alten Häuten ihrer Mitdarsteller, was als sehr obszön verschrieen war, sich deshalb aber unvergleichlicher Popularität beim Zuschauer erfreute. Ich schaute gerade „Salz zu deiner Haut 3“, als meine Bewusstlosigkeit ihre Tätigkeit einstellte und mich zurückwarf in meinen ersten Traum.

Hier verreckte gerade mein Dromedar an einem gebrochenen Fuß. Es war schrecklich anzusehen, aber auch irgendwie interessant. Da klingelte mein Mobiltelefon. Ich ging ran, und ich selbst war am anderen Ende. Ich sagte: „Hallo? Dein Telefon klingelt.“ Ich sagte: „Deswegen habe ich abgenommen.“ Ich sagte: „Nein, ich meine in der echten Welt.“ Ich sagte: „Ach so. Sag das doch gleich.“ Ich sagte: „Das war doch offensichtlich.“ Ich sagte: „Nicht für mich.“ Da verknotete sich mein Gehirn und ich erwachte. Mein Telefon klingelte tatsächlich, aber ich hatte keine Lust mit mir zu reden.

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Von der Bedeutung der Dinge – Das Schaf

29. Sep 2008 at 22:16 (Von der Bedeutung der Dinge) (, , , )

Beim Schaf ist alles am rechten Platz. Nur das ‘S’ ist eher links. Wäre es rechts, hieße das Tier auch Chafs, was fast so viel wie „häckselt“ in Englisch bedeuten würde. Gehäckselte Schafe sind unschöne Artefakte auf leicht ansteigenden Weideflächen. Auch auf fallenden Sommerwiesen oder flachen Asphalt wirkt derartiges wenig modisch. Aus diesem Grund wird auch der Fleischwolf dem Häcksler bevorzugt.

Schafe sind nahe Verwandte des Menschen, denn er ist die einzige Kreatur auf unserer göttlich besamten Welt, die noch dümmer schauen kann als das Schaf. Dafür hat das Schaf vier Mägen, was uns als selbsternannte Krone der Schöpfung durchaus mal ins Grübeln bringen darf. Hätte der Mensch vier Mägen, würden sich die Lebensmittelkonzerne freuen. Zumindest dann, wenn wir auch vier Münder besäßen, zur individuellen Fütterung jeden Magens. So könnten sich unsere Mägen spezialisieren, einer auf Pflanzliches, einer auf Tierisches, einer auf Süßigkeiten, und einer auf die Sachen, die man aus Versehen runterschluckt, wie z.B. Spannbettlaken, Kreditkarten oder Zyankalikapseln.

Schafe spezialisieren sich auf pflanzliche Nahrung, verschmähen aber den okasionalen Seegurken-Bizeps auch nicht, was wahrscheinlich auf den verwirrenden Namen zu schieben ist.

Schiebt man den Namen eines Schafes, fällt er vom Tisch, und zerbricht in seine Bestandteile, zumindest dann, wenn er auf einem Halsband um das benannte Schaf angebracht ist, und dieses sich über die Kante stoßen lässt.

Schafe auf Tische zu stellen ist eine alte Tradition. Und auch eine sehr dumme Tradition.

Oft balancieren Schafe auf Kanten, was für sie ein Spiegelbild zum Leben an sich darstellen soll. Gibt es keine Kanten, so balancieren sie auf Wiesen, was wenig spektakulär aussieht. Manche balancieren auch auf Weiden, wenn sie denn den Stamm bewältigen. Die meisten bewältigen ihn nicht, und sterben.

Gestorbene Schafe werden zu Wolken am Himmel. Wenn sie gnädig sind, lassen sie ihre Magensäfte herabregnen, und wir alle werden nass. Verrückt, diese Schafe.

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Coffee & TV

25. Sep 2008 at 22:35 (Manuskriptum) (, , , , )

Ich habe einen Zehn-Millionen-Dollar-Vertrag unterschrieben, für einen Film. Leider darf ich nicht mitspielen, sondern muss das Drehbuch schreiben. Das ist schlecht, denn da muss man kreativ sein. Oder einfach so gut klauen, dass es keiner merkt.

Ich habe keine Ahnung, um was es gehen soll, aber mal die erste Szene geschrieben.

Szene 1 – Im Supermarkt

An der Käsetheke, A und B stehen herum, B hat etwas aus dem Regal in der Hand, achtet aber nicht weiter drauf. B hat gerade total wichtige Dinge gesagt.

A: Schau auf das Verfallsdatum, meistens ist das Zeug hier schon abgelaufen.

B: ruhig Hast du überhaupt zugehört?

A: …

B: immer noch ruhig, man merkt die Anspannung Hast du irgendein Wort von dem mitgekriegt, was ich dir gerade gesagt habe?

A: defensiv … Ich wollte doch nur, dass die keinen verfaulten Mist kaufst.

B: explodiert verhalten Verdammt, ich schütte dir hier mein Herz aus, und alles was dir einfällt, ist an meiner Einkaufsstrategie rumzumäkeln?

A: Strategie?

B: Was auch immer! Du hörst kein bisschen zu! Ich erzähle dir hier die schlimmste Sache der Welt, und das geht dir ins eine Ohr rein und aus dem anderen wieder raus. Ohne Pause. Ohne, das nur ein kleines winziges Bisschen deiner Aufmerksamkeit sich drum kümmert. Es ist als ob du ein dickes Loch im Schädel hast, durch das alles einfach durchgepustet wird. Wie dieser Käse hier! [fuchtelt damit vor As Gesicht herum]

A: Das ist ein Gouda, der hat keine Löcher.

B schaut A ungläubig an.

A: Und guck aufs Verfallsdatum.

B: Das ist ein Mindesthaltbarkeitsdatum, kein Verfallsdatum, verdammt noch mal. Und… guckt auf die Packung … ja, verdammt, ist über der Zeit. Legt den Käse zurück

A: Ich hab dir zugehört, keine Sorge.

B: Warum kommst du dann mit dem Käse-Scheiß, Mann?

A: Hättest du das Teil gekauft, hättest du noch mehr Probleme als ohnehin schon.

B: Schüttelt den Kopf Ich brauch noch Olivenöl.

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Antennas to heaven

23. Sep 2008 at 20:59 (Artikel für dicke Menschen) (, , , )

Singet, frohlocket, lasst Glocken und Bimmeln erschallen, Paradewagen auffahren, schwingt die Beine zum Tanz, auch die Arme dürfen mitmachen, jauchzet in hohen Tönen, fasst euch an den Händen (aber nicht an den Pimpermann!) und streckt sie antennengleich gen Himmel, lacht aus euren Bäuchen und jubelt den Namen des Herrn! Mir ist ein Kindlein geboren, ein kleines Würstlein nur, seidig braun und knusprig hart, fiel es mir aus dem Schoß in die kleine, wassergefüllte Mulde aus alabasterner Keramik, die als Sitzgelegenheit ich mir erwählt hatte. „Heissa“, so mein Ruf, „es ist geschafft.“ Und ich schickte meinen Ableger mit besten Wünschen für seine Zukunft auf die große Reise, den durch die europäischen Hauptwasserscheiden vorgegebenen Weg zu gehen. Wünscht auch ihr ihm Glück, wenn ihr ihn seht, und zeigt ihm die Sonne in euren Herzen.

Soviel zu meinen Highlights am heutigen Tag.

Aber es gab weiteres.

Dem Sperber gleich, vielleicht auch dem Zilpzalp ähnlich, stand ich auf einem Balkon und betrachtete die Fluten unter mir, Fluten von Körpern, die sich wälzten, oder auch gingen, teilweise auch fuhren oder schritten. Manche standen, aber keine lagen.

Woher kommen wir? Wohin gehen wir? Die meisten kommen von links und gehen nach rechts. Das ist eine natürliche Entwicklung.

Wohin gehe ich? Hoch oder runter, links oder rechts? Ich kann mich nicht entscheiden, das ist das Problem. Egal wohin man sich wendet, man verpasst immer etwas am anderen Ende. Also bleibe ich stehen und verpasse alles.

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Where do you go to my lovely?

21. Sep 2008 at 23:03 (Positivpresse) (, , , , )

Ich möchte einen Film loben.

Gute Filme verdienen des Lobes, denn sie unterhalten mich, und bringen Friede und Freude ins Leben. Der Eierkuchen ist im Kinofoyer günstig zu erwerben.

Es gab kein Foyer, wo ich die Ehre hatte, den Film, den ich hier bespreche, zu sehen, denn ein Foyer ist in meiner Wohnung nicht vorgesehen gewesen. Schande über den Architekten, denn ein Eierkuchen wäre mir ganz recht gewesen.

Ich sah den Film also in der heimischen Stube, zusammen mit meiner Decke und einer 250 Gramm Tafel Ritter Sport „Alpenmilch“. Wir sind die besten Freunde, die Decke und ich, ständig hängen wir miteinander rum. Schokoladentafeln sind vergänglich, deswegen hatte ich keine besondere Beziehung zu ihr aufgebaut. Im Nachhinein stellt sich hier ein leises Bedauern ein. Vielleicht sollte ich bewusster mit Dingen umgehen. Wenn noch irgend ein Stück Schokolade in meinen Magensäften noch unaufgelöst ist, möchte ich mich an dieser Stelle dafür entschuldigen, dass wir uns nicht die Zeit genommen haben, uns in unsere Existenzen hineinzudenken und -fühlen, und dafür, dass ich nur die offensichtliche Interpretation von Ritter-Sport-Tafeln als Lebensmittel wahrgenommen, und mögliche tiefergehende Betrachtungen vollkommen außer Acht gelassen habe.

Der Film, den ich sah, war auf einer DVD in digitaler Form daniedergelegt. Das ist eine feine Art, Filme daniederzulegen, denn sie ermöglicht es, die DVD (und damit den Film!) in ein Laufwerk zu legen. Das hat den Vorteil, dass die DVD nicht im Weg herumliegt. Als weiteren Bonus, wird so das Abspielen der DVD ermöglicht, was sich in einem leisen Summen des Laufwerks ausdrückt, das beruhigend auf die Umgebung wirken soll. Was es tatsächlich auch tut!

Der Film lief insgesamt gut 90 Minuten, was eine fantastische Zeit für einen Film ist, zu laufen. Längere Filme tendieren dazu, über eineinhalb Stunden zu gehen, was nicht so gut ist. Allerdings gab es einen zwölfminütigen Vorfilm.

Nach dem Film fühlte ich mich seltsam. Ich überlegte, warum das wohl der Fall sein mochte, und kam zu dem Schluss, dass es mit meinem Gehirn zusammenhängen muss. Ich muss wohl mal zum Arzt.

Der Film ist also sehr gut, und jeder sollte ihn kaufen. Prost!

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Brain Damage

21. Sep 2008 at 00:53 (Artikel für dicke Menschen) (, , , )

Ich rannte heute in einem Traum eine unendliche Treppe hinab. Zum Glück bin ich ziemlich weit unten gestartet, so dass es nur ein paar Minuten dauerte bis ich unten ankam. Ein weißer Hirsch erwartete mich dort. Ich trat zu ihm, wollte ihn berühren, da drehte er sich um. Auf seinem rechten Hinterlauf, in der Nähe des Hirschbürzels sah ich dann etwas, das mich verwunderte: Ein kurzgeschorenes Schnauzbärtchen! Ich wußte sofort, was das bedeutete. Der Führer hatte sich in die Arschbacke des Hirsches reinkarniert. Natürlich in die rechte.

Der Hirsch begann Parolen zu furzen, die schlimm anzuhören waren. Da kam ein Backenhörnchen des Weges. Seine Backen waren ganz ausgeleiert, es zog sie regelrecht hinter sich her. In seinen metergroßen, brechenden Augen konnte ich lesen, welch Schicksal ihm widerfahren war. Aber was kümmerte mich das?

Ich nahm das Backenhörnchen und pustete es auf, band es an den Hirschhintern und bald begannen das Backenhorn und der Hirsch aufzusteigen und flogen in den Sonnenuntergang und verbrannten dort.

Der Tenno von Spanien kam dann die Treppe herabgestiegen und sprach: „Du hast die erste Prüfung erfüllt, junger Padawan. Dieses Stück Salzgebäck soll dein Lohn sein.“ Und er öffnete seinen Brustkasten und holte die schönste Salzstange hervor, die jemals auf geträumten Treppen zu sehen gewesen ist und reichte sie mir. Der Tenno aber starb, denn er hatte einen offenen Brustkasten. Er fiel von der Treppe und schlug auf den Boden auf, wo er explodierte. Das ist das Schicksal der Tennos.

Was die Salzstange sagte: „Ich bin ein verwunschenes Gebäck. Küsse mich auf meine feuchten, aber dennoch salzigen Lippen, um mich zu erlösen.“ Ich drehte die Salzstange und tatsächlich fanden sich Lippen auf der anderen Seite. Lippen auf Salzgebäcken sind selten. Also küsste ich sie.

Siehe: Die Salzstange verwandelte sich und es war ein großes Raunen und Blubbern allenthalben zu hören. Farben wirbelten, Formen entstanden und vergingen, schließlich war es vollbracht: In meiner Hand befand sich nun eine Salzbrezel.

Ich runzelte die Stirn ob der Sinnfreiheit dieses Traums und wollte sie gerade glätten, aber es gelang mir nicht. Meine Nase runzelte sich, meine Kopfhaut ebenso, meine Backen, bald auf meine Brust, bis ich eine einzige Runzel war. Ich drohte zu verdorren, doch da: Ein Bottich Feuchtigkeitscreme viel auf mich hinab! Leider war er verschlossen, und von diesem Treffer wachte ich auf.

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Szene 5

18. Sep 2008 at 20:52 (A Hartz IV Lovestory) (, , , )

Die Tür zur Kantine wird bei uns unter der Hand auch die „Pforte des Grauens“ genannt. Wer einmal diese Tür durchschritten hat, ist für immer ein anderer Mensch, wer einmal die Dämpfe und Düfte der großen Halle gerochen und geschmeckt hat, fühlt sich danach emotional ausgekocht, moralisch abgehobelt und kognitiv zerraspelt.

Was blieb mir, dem die Bauchdecke ob der in mir schwappenden Magensäure schon zu schmelzen begann, anderes übrig, als die alten Fleischlappen, die wie ein Vorhang an der Decke hafteten und sich bis auf den schmierigen Fußboden fortsetzten, beiseite zu schieben, und einzutauchen in den kulinarischen Wahnsinn, der tief unter der glitzernden Fassade unseres Weltkonzerns wie eine eingewachsene Eiterblase reifte?

Als ich das fleischerne Tor bewältigt hatte, prallte ich mit der Atmosphäre der Kantine zusammen, und holte mir eine böse Beule. Nur sehr selten hatte ich es bislang gewagt, mich hier einzufinden, und wie die wenigen Male vorher, war ich ob der Eindrücke, die auf mich einstürmten, wie gelähmt.

Die Kantine war eine gewaltiger Dom, eine einzige Halle, die gut und gerne die Büffelrestbestände Nordamerikas halten könnte. Und in der Tat schienen nicht wenige dieser edlen Tiere, ihrer Haut neben ihrem Leben beraubt, an ihren Hinterläufen von den hohen Decken zu baumeln, an denen sie mit langen, blutigen Stricken befestigt waren. Schweine, Hühner und Gänse, Antilopen und Strausse taten es ihnen gleich, und gemeinsam hingen sie, manche leicht schwingend, andere sanft hin und her rotierend von oben herab. Aber auch Kraniche, Kaninchen, Tauben und Delphine waren zu finden, und hing in der finsteren Ecke nicht etwas entfernt humanoid aussehendes?

Mein Blick wurde getrübt von einem dicken roten Tropfen, der mir ins Auge fiel. Ich schaute nach oben. Ein Karibu-Kadaver. Ein leichter Regen herrschte in der Kantine immer, und es war die Regel, sie blutverschmiert zu verlassen, was nicht gerade zur Popularität der Einrichtung beitrug.

Meine Aufmerksamkeit wurde abgelenkt, von einer Dampffontäne, die von der Mitte des Raumes ausging. Kupferne Maschinen waren dort in den Boden eingelassen, riesige dampfausströmende Monstrositäten, die Messer, Quirle, Walzen, Häcksler und Fleischwölfe in ihren Eingeweiden hantieren ließen, in denen in Bottichen Nährwerte zerkocht wurden und in deren Fettseen stundenlang frittierte Klumpen unschuldiger Nahrungsmittel schwammen.

Weiter schweiften meine Augen durch den Raum, sahen die langen, leeren Bänke, die um den Zentralbereich aufgestellt waren, die Tische, die jeweils durch einen abgetrennten Tierkopf in ihrer Mitte verziert waren. Und schließlich sah ich Sie.

Stahlstreben stützten Ihren Thron inmitten des Maschinenparks und hoben ihn hoch in die Mitte des Raumes. Unmengen von Hebeln und Schaltelementen waren außenherum angebracht, die Sie alle dank Ihrer freidrehbaren, aus Elefantenknochen geschnitzten Sitzgelegenheit in Sekundenbruchteilen aktivieren konnte. Sie hatte in dieser Küche den Hut auf, war die Herrin der Töpfe und Pfannen, der Hauptgänge und Nachspeisen, der Esser und der Gegessenen.

Mein Magen brach durch.

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The weight of the world

17. Sep 2008 at 21:56 (Artikel für dicke Menschen) (, , , )

Es brodelt. In mir. Das tut es selten. Und es ist auch eigentlich schon wieder vorbei, aber für die Dauer dieses Textes fühlen wir uns einfach mal eine Weile zurückversetzt in die ziemlich nahe Vergangenheit. Als mir ursuppig war, und sich Hassbläschen auf meiner Kopfhaut bildeten, die mit scharfem Zischen platzten und Tropfen purer Feindseligkeit auf das Umland versprengen, wo sicher einmal wütend schreiendes Gras wachsen wird.

Der Auslöser für diese mir sonst so fremde emotionale Wallung, auf deren Scheitelkante ich eine S-Bahn-Fahrt lang surfte, war weiblich und ziemlich jung. Das sage ich als alter Mann, gebeugt von Jahren und dem Gewicht der Welt im Allgemeinen, die ausgerechnet auf meinen Schultern zur Ruhe kommen musste. Das weibliche Geschöpf war Teil einer Rotte weiterer weiblicher Geschöpfe, die allesamt wohl die sechzehn Lenze noch nicht überschritten haben, und wenn es nach mir ginge auch nie überschreiten würden. Inmitten dieses Konglomerats jugendlicher Dreistigkeit ruhte ein mobiler Fernsprecher, der, seines inhärenten Zweckes beraubt, dazu umfunktioniert war, Laute in den Wagon zu pusten, die eine entfernte Verwandtschaft zu dem aufwiesen, was in der Fachliteratur als „Musik“ bekannt ist. Töne quollen in einer überraschenden Mächtigkeit hervor, die man einem so kleinen Haufen Elektroschrott beileibe nicht zugetraut hätte. Die temporären Inhabitanten des Waggons bis auf den Ballungsraum direkt um den Lärmemitter waren geschockt, irritiert, im tiefsten Kern ihrer Seele beschädigt. Können diese einmal so geschlagenen Wunden jemals heilen? Ich weiß es nicht.

Ich bin ein Überlebender. Die Fahrt war lang, so unendlich lang, doch ich habe mein Ziel erreicht, und bin den Qualen entkommen. Doch der Hass bleibt, und während der Phase der Rehabilitation wird er rationaler. Das Junggemüse im Zug? Das waren nur willige Vollstrecker. Das eigentliche Übel lauert in den High-Tech-Konzernen, die aus irgendeinem mir vollkommen unbegreiflichen Grund es für eine gute Idee hielten, ihren Mobiltelefonen eine Brüllfunktion mitzugeben.

Eines Tages werde ich herausgefunden haben, wer dafür verantwortlich ist. Wer auch immer es ist, er muss brennen.

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We used to be friends

15. Sep 2008 at 21:35 (Artikel für dicke Menschen) (, , , )

Ich gucke so viel Veronica Mars, dass ich ganz vergesse, das Internet noch ein wenig aufzufüllen, mit zartschmelzenden Texten von erhabener Sinnhaftigkeit, die das Netz ja doch im Inneren seines Herzens ausmachen. Leider ist das Herzinnere bedeckt von dicken, fast undurchdringlichen Schichten aus Pseudonachrichten, Pulli-Strick-Foren und Pornographie, die quasi das Knochengerüst, die Muskeln und das Fettgewebe des Internets bilden.

Doch was sind die Schuppen des Internets, fragt man sich wohl sofort. Die Antwort ist so unerheblich wie die Frage, und weiterer Worte nicht wert, wäre da nicht der Drang in mir, Sätze zu vollenden, anstatt Wortballungen einfach so auf weiter Flur stehen zu lassen. Jemand könnte stolpern, und ich bin mir nicht sicher, ob meine Haftpflichtversicherung für etwaige Schäden aufkommt, die durch einen rhetorischen Fall entstehen.

Die Fallobstwiesen des Internets sind Aggregationsseiten wie Digg und Slashdot. Sogleich fährt der Leser auf: Gerade eben diente doch noch der menschliche Körper als Metapher für das Internet, was soll jetzt diese Fallobst-Scheiße?

Ganz einfach: Metaphern sind wie Blähungen in engen Fahrstuhlkabinen: Auch wenn die sexy Dame vom Sekretariat einen fahren lässt stinkts…

Ich fürchte dies Bildnis geht jetzt nicht so ganz auf, aber mit den Metaphern ist es wie mit Nadeldruckern: Sie zirpen zwar lieblich wie Grillen vor dem Kältetod, aber die Farbbänder gibt’s nirgendwo mehr zu kaufen…

Ohje, ich fürchte das will mir nicht mehr so recht gelingen, vielleicht so: Metaphern sind wie tiefgefrorene Mathematiker, überraschend schwierig herzustellen.

Tja, besser wird’s heute nichts mehr.

Ach ja, und „Lützel“ ist natürlich mittelhochdeutsch und bedeutet „klein und knusprig“. Zurück zu Frau Mars.

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Alpha Beta Gaga

11. Sep 2008 at 21:23 (Artikel für dicke Menschen) (, , , )

Der Tag heute war so lalala. Ich stand morgens auf, das ging so: Auf dem Rücken liegend erhoben sich meine Gliedmaßen wie Eiffeltürme, die von Christo und Jeanne-Claude unter schwerem Velour verpackt worden waren, und ragten der Decke des Gewölbes in dem ich nächtigte entgegen. Ich sagte „Buddabuddabu“, wie ich es oft des morgens zu sagen pflege und rollte ein wenig in meinem Bett hin und her und sonnte mich in der Vorstellung, wie winzig kleine schreiende Pariser vor den wankenden Wahrzeichen ihrer Stadt Zuflucht suchten.

Mein Wecker machte „Huiiiiii“, aber ich mochte ihn trotzdem. „Wecker,“ sprach ich, „nun ist es an der Zeit für dich zu schweigen, und ich will mich aufmachen, mein Tagwerk zu verrichten, das nicht besteht aus dem Zusammenkehren von alten Semmeln auf Küchenböden, wo sie von epileptischen Bäckersgesellen in nächtlichen Anfällen verstreut wurden, oder dem Meißeln von knusprigen Garnelenschwänzen in Basalt-Monolithen vor thailändischen Schnellimbissbuden zu Werbezwecken, sondern aus guter und ehrlicher IT-Arbeit.“ Mein Wecker pfiff glücklich ob meiner Ansprache, und wir tanzten ein Minütchen gemeinsam durch meine Kemenate.

Dann: Duschen! Gurgelnd sprotzte sogleich Feuchtigkeit in hehren Tropfen auf mein alterndes Haupt, der Erfrischung meiner Kopfhaut und der Entledigung des garstigen Gestankes wegen, den ich peinlicherweise mit mir trug.

Frühstück: Frisch gepresste Brötchen und aufgebackene Orangen, es war ekelhaft. Ich würgte alles in mich hinein, es versuchte sich wieder hinauszuwürgen, ein ewiges Ringen, das noch eine Weile andauern sollte. Ich konnte den Kampf aber durch technisches K.O. für mich entscheiden.

Phantastisch gut duftende Damen begegneten mir auf dem Weg zu einem Arbeitsplatz, der sich als der meinige herausstellte. Blumen sprossen, und Sprotten schwammen durch die Bäche, die die Felder durchzogen wie Spagetti die Tomatensauce.

„Ei,“ rief ich der drallsten der Damen in einer übermütigen Laune heraus zu, „welch famoser Morgen, mein lützel Kind.“

„Was soll die verfickte Scheiße, bist du total bescheuert? Rhetorische Frage, klar, aber kannst du mir mal sagen, was du da vor dich hinsabberst? Du bist hier um zu arbeiten, und nicht um geistesgestörtes Gebrabbel von dir zu geben!“

Tja, mein Boss hatte ja recht. Den Rest des Tages verbrachte ich angekettet im IT-Steinbruch, um dann, schwer gebeugt, am Abend nach Hause zu trotten.

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