Alpha Beta Gaga
Der Tag heute war so lalala. Ich stand morgens auf, das ging so: Auf dem Rücken liegend erhoben sich meine Gliedmaßen wie Eiffeltürme, die von Christo und Jeanne-Claude unter schwerem Velour verpackt worden waren, und ragten der Decke des Gewölbes in dem ich nächtigte entgegen. Ich sagte „Buddabuddabu“, wie ich es oft des morgens zu sagen pflege und rollte ein wenig in meinem Bett hin und her und sonnte mich in der Vorstellung, wie winzig kleine schreiende Pariser vor den wankenden Wahrzeichen ihrer Stadt Zuflucht suchten.
Mein Wecker machte „Huiiiiii“, aber ich mochte ihn trotzdem. „Wecker,“ sprach ich, „nun ist es an der Zeit für dich zu schweigen, und ich will mich aufmachen, mein Tagwerk zu verrichten, das nicht besteht aus dem Zusammenkehren von alten Semmeln auf Küchenböden, wo sie von epileptischen Bäckersgesellen in nächtlichen Anfällen verstreut wurden, oder dem Meißeln von knusprigen Garnelenschwänzen in Basalt-Monolithen vor thailändischen Schnellimbissbuden zu Werbezwecken, sondern aus guter und ehrlicher IT-Arbeit.“ Mein Wecker pfiff glücklich ob meiner Ansprache, und wir tanzten ein Minütchen gemeinsam durch meine Kemenate.
Dann: Duschen! Gurgelnd sprotzte sogleich Feuchtigkeit in hehren Tropfen auf mein alterndes Haupt, der Erfrischung meiner Kopfhaut und der Entledigung des garstigen Gestankes wegen, den ich peinlicherweise mit mir trug.
Frühstück: Frisch gepresste Brötchen und aufgebackene Orangen, es war ekelhaft. Ich würgte alles in mich hinein, es versuchte sich wieder hinauszuwürgen, ein ewiges Ringen, das noch eine Weile andauern sollte. Ich konnte den Kampf aber durch technisches K.O. für mich entscheiden.
Phantastisch gut duftende Damen begegneten mir auf dem Weg zu einem Arbeitsplatz, der sich als der meinige herausstellte. Blumen sprossen, und Sprotten schwammen durch die Bäche, die die Felder durchzogen wie Spagetti die Tomatensauce.
„Ei,“ rief ich der drallsten der Damen in einer übermütigen Laune heraus zu, „welch famoser Morgen, mein lützel Kind.“
„Was soll die verfickte Scheiße, bist du total bescheuert? Rhetorische Frage, klar, aber kannst du mir mal sagen, was du da vor dich hinsabberst? Du bist hier um zu arbeiten, und nicht um geistesgestörtes Gebrabbel von dir zu geben!“
Tja, mein Boss hatte ja recht. Den Rest des Tages verbrachte ich angekettet im IT-Steinbruch, um dann, schwer gebeugt, am Abend nach Hause zu trotten.
bg sagte,
12. Sep 2008 um 08:26
Woah. Der bisher beste Text, meiner bescheidenen Meinung nach.
jhahn sagte,
12. Sep 2008 um 09:46
„Lützel“?!