The weight of the world

17. Sep 2008 at 21:56 (Artikel für dicke Menschen) (, , , )

Es brodelt. In mir. Das tut es selten. Und es ist auch eigentlich schon wieder vorbei, aber für die Dauer dieses Textes fühlen wir uns einfach mal eine Weile zurückversetzt in die ziemlich nahe Vergangenheit. Als mir ursuppig war, und sich Hassbläschen auf meiner Kopfhaut bildeten, die mit scharfem Zischen platzten und Tropfen purer Feindseligkeit auf das Umland versprengen, wo sicher einmal wütend schreiendes Gras wachsen wird.

Der Auslöser für diese mir sonst so fremde emotionale Wallung, auf deren Scheitelkante ich eine S-Bahn-Fahrt lang surfte, war weiblich und ziemlich jung. Das sage ich als alter Mann, gebeugt von Jahren und dem Gewicht der Welt im Allgemeinen, die ausgerechnet auf meinen Schultern zur Ruhe kommen musste. Das weibliche Geschöpf war Teil einer Rotte weiterer weiblicher Geschöpfe, die allesamt wohl die sechzehn Lenze noch nicht überschritten haben, und wenn es nach mir ginge auch nie überschreiten würden. Inmitten dieses Konglomerats jugendlicher Dreistigkeit ruhte ein mobiler Fernsprecher, der, seines inhärenten Zweckes beraubt, dazu umfunktioniert war, Laute in den Wagon zu pusten, die eine entfernte Verwandtschaft zu dem aufwiesen, was in der Fachliteratur als „Musik“ bekannt ist. Töne quollen in einer überraschenden Mächtigkeit hervor, die man einem so kleinen Haufen Elektroschrott beileibe nicht zugetraut hätte. Die temporären Inhabitanten des Waggons bis auf den Ballungsraum direkt um den Lärmemitter waren geschockt, irritiert, im tiefsten Kern ihrer Seele beschädigt. Können diese einmal so geschlagenen Wunden jemals heilen? Ich weiß es nicht.

Ich bin ein Überlebender. Die Fahrt war lang, so unendlich lang, doch ich habe mein Ziel erreicht, und bin den Qualen entkommen. Doch der Hass bleibt, und während der Phase der Rehabilitation wird er rationaler. Das Junggemüse im Zug? Das waren nur willige Vollstrecker. Das eigentliche Übel lauert in den High-Tech-Konzernen, die aus irgendeinem mir vollkommen unbegreiflichen Grund es für eine gute Idee hielten, ihren Mobiltelefonen eine Brüllfunktion mitzugeben.

Eines Tages werde ich herausgefunden haben, wer dafür verantwortlich ist. Wer auch immer es ist, er muss brennen.

2 Kommentare

  1. jhahn sagte,

    Verantwortlich ist Sir Graham Bell bzw. Philipp Reis. Oder Nikola Tesla?

  2. bg sagte,

    Ich fühle mit Dir.

    Und wann geht eigentlich die Hartz IV Lovestory weiter?

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