Hirsepuddingkopf
Wir sollten alle Singen und Tanzen. Das ist Gottes Wille und ein integraler Bestandteil unserer Existenz. Deshalb habe ich ein Lied geschrieben, das ich an dieser Stelle vorstellen möchte. Es heißt „Hirsepuddingkopf“.
Die Melodie geht so: ♪♫♫♪♪
Und das ist der Text:
Erste Strophe:
Ich wäre gerne eine Würstchenbude am Sandstrand,
ich speite Budenwürstchen in den Strandsand
wo sie sich verpuppen.Fleischfalter entsteigen dem Watt, zeigen ihre Fleischfalten der Sonne und lassen sie knusprig bräunen.
Zweite Strophe:
Es steht ein Gartenbausatz neben dem Obi-Filial-Vize
der passt zu meinem Bausatzgarten mit Brachial-Mieze,
die immer eifrig bollert.Gurkenfässer füllen sich langsam, doch leeren sich noch viel langsamer. Irgendwann schmeißt man den ganzen Scheiß weg.
Refrain:
Das Hirsepudding-Reinheitsgebot ist der Paragraph 218 des neuen Jahrtausends,
nur Frauen mit dicken Hüften schauen so genau auf die Packung drauf. *)Dicke Hüften sollte man mal lüften,
dicke Hüften muffeln gern mal schnell
dicke Hüften sollte man mal lüften,
sonst steigt der Dampf in deinen Hirsepuddingkopf.
*) Das reimt sich, wenn man eine wirklich komische Aussprache hat.
Die dritte und vierte Strophe sind so ähnlich wie die ersten beiden, nur mit dem Klatschen von Fliegenklatschen auf französische Männerwaden unterstrichen. Alternativ kann man auch das Geräusch verwenden, das entsteht wenn man an Sunkist-Safttaschen nach Entfernen der Sunkist-Haftlaschen und Einführen des Strohhalmes in das Zielgebiet, saugt, obwohl der Füllstand schon bedenklich niedrig ist.
Ticks and Leeches
Ein Märchen(-anfang) für den kleinen Leser.
Vor langer, langer Zeit in einem weit, weit entfernten Land passierte gar nichts. Und das so lange, bis die Zeit nur knapp vor heute war und das Land dank der Plattentektonik schon recht nah an hier herangekommen war. In diesem Land lebte die schönste Prinzessin, die jemals von Augen erblickt wurde. Und Augen erblickten sie nur kurz, denn die Prinzessin befahl ihren bereits geblendeten Gardisten jedermann, der sie ansah die Augen auszustechen, denn Augäpfel waren die Hauptzutat für ihr wundervolles Makeup.
Doch es kam, wie es kommen musste. Die Prinzessin starb, 75 Jahre nach dem sie geboren wurde, und faulte in ihrem Lustgarten vor sich hin, da es niemanden gab, der ihre Leiche erblicken hätte können.
Sie war der schönste Leichnam im Lande, und war bald bewohnt von Motti, der kleinen Made mit dem großen Herzen, von dem sie jeden Tag einen ordentlichen Bissen nahm.
Die Tage vergingen, und mit ihnen die Nächte, Motti wuchs und gedieh, bis eines Tages Erasmus, der kluge Aaskäfer ihr einen Besuch abstattete und sprach: „Motti, lass uns das Glück suchen.“ „Aber Erasmus, kluger Freund, das Glück? Wie sollen wir so etwas Abstraktes wie das Glück denn finden?“ „Ganz einfach, liebste Motti, das Glück ist eine rein hormonelle Angelegenheit, reine Chemie. Lass uns an einer Drüse knabbern, die das pure Glück ausströmt und uns daran berauschen.“ „Aber Erasmus, du reduzierst das Glück auf seine rein chemische Komponente? Was ist mit den ethischen Aspekten?“ „Aber Motti, du Mädchen*, dein Gehirn ist doch nicht ausgeprägt genug, um den Ethikbegriff zu fassen!“ „Oh, stimmt.“ Und sie beschlossen, von der Glücksdrüse zu futtern.
* Vorsicht: Doppeldeutig!
Take the long way home
Der Zirkus, nein, „Circus“ Rudolf Busch ist in der Stadt und bewirbt seine Show mit der Zeile „Mit einer der größten Deutschlands“. Das ist mal cleveres Marketing, um was es da geht, muss wohl selber herausgefunden werden.
„Ein dunkler Nimbus umgibt das fahrende Volk“, sprach ich, vor dem Plakat stehend. Und siehe da: Ein Regentropfen schlug auf meinem Schädel ein, zersplitterte in tausend mikroskopische kristallene Stücke und entzog sich so meinem Wahrnehmungsbereich. „Ein Zeichen!“ dachte ich, aber vielleicht wars auch keins. Immerhin regnete es schon eine ganze Weile.
Ich wollte mich abwenden, mich dem Blick des etwas zu enthusiastischen Clowns, der das Plakat dominierte, entziehen, da kam der Dönermann mit gesenktem Blick vorbei und raunzte, mehr zu sich selbst: „Tage des Wurms, dies sind wahrhaft die Tage des Wurms.“. Er blieb neben mir stehen, schaute mich aber nicht an, sondern weiter in die Richtung, in die er ging. „Der Clown ist der Meister der Würmer.“ Dann ging er weiter, seine lockige Haar-Matte hinter sich her schleifend.
Würmer? Hat der Dönermann Probleme mit der Lebensmittel-Polizei? Ich ging in die andere Richtung davon, hielt mich heimwärts.
Blondierte Kinder auf einer Spielstraße, sich die Hände haltend, blockierten den Durchgang. Sie starrten kerzengerade in das Nirgendwo vor sich, und kauten langsam auf irgendetwas. Alle im gleichen Rhythmus, synchron wie an Schwarzwaldkühe montierte Schwarzwalduhren, die die Kaubewegungen ihrer Befestigungen koordinieren. Eine unnatürliche Kälte ging von ihnen aus. Der Winter kommt, dachte ich.
„Hallo Kinder, darf ich durch?“ fragte ich. Sie schienen mich nicht gehört zu haben, jedenfalls zeigten sie keine Reaktion. Ich ging noch einen Schritt näher, sprang jedoch gleich wieder zurück, als ich das zermatschende Geräusch unter meinen Sohlen hörte.
Eine schlängelnde Masse bewegte sich entlang der Reihe der Kinder, und umflutete ihre Füße. Larven, Maden, Schnecken und Würmer, vor allem Würmer krochen langsam, sich ewiglich um sich und alles in ihrer Umgebung windend, den Pfad von Leibern entlang. Ich trat noch ein paar Schritte zurück. Die Kinder schienen von all dem unbeeindruckt. Wird Zeit, dass die Schule wieder anfängt, dachte ich, und nahm den langen Weg nach Hause.
Die Stadt ist unruhig, ihre Menschen handeln irrational. Ist der Clown verantwortlich zu machen? Vermutlich. Es heißt wachsam zu bleiben.
Two-Headed Boy
Meine linke und meine rechte Gehirnhälfte unterhielten sich heute mal wieder ziemlich lautstark, was mich ziemlich abgelenkt hat. Da tippt man aus beruflichen Gründen Taste um Taste auf der Computer-Klaviatur, und muss auch noch darauf achten, dass die Reihenfolge der Tastenanschläge stimmt, um ein wohlfeiles Ganzes zu produzieren, da röhrt plötzlich etwas „Libanon-Zedern. Mhm, ich föhne meine Libanon-Zedern, die auf der Pelle meines Dasein wachsen.“ von links zur Melodie eines alten Beatles-Songs. Die Präsenz der Wand links neben meinem Arbeitsplatz machte die Herkunft des schrägen Gesangs unwahrscheinlich, es sei denn eine Horde von als Patina getarnten Mikroorganismen, die sich in der alten Tapete vermehrten, brüllte gerade ihre Nationalhymne.
Unwahrscheinlich, recht unwahrscheinlich. Das von rechts gebrüllte „Klappe, du kleiner Entenmann!“ überzeugte mich, das meine Schädelinnereien wieder im Clinch lagen. Rechts mein kleinkindliches Gemüt, links meine psychoanarchistische Natur.
Ich mag sie beide nicht. Aber eine Lobotomie ist viel zu teuer, und sie einfach durch Silikon-Implantate zu ersetzen, bringe ich nicht übers Herz. Deswegen sollte ich vielleicht zuerst ein Herz-Implantant einsetzen lassen. Zeit mit dem Sparen anzufangen.