Baker man

9. Sep 2008 at 22:09 (Artikel für dicke Menschen) (, , , )

Eigentlich wollte ich die Dr. Oetker Backmischung für Muffins mit den Schoko-Stückchen kaufen. Die mit dem hellen Teig. Ich muss mich vergriffen haben. Oder subversive Elemente tauschten die Packungen aus, als ich mich gerade vor dem Zeitschriftenregal fragte, ob früher nicht mehr Brust auslag.

Ich habe die Käsefrau, die Kommandantin der Käse-Theke, die Elementarherrin der Fermentierprodukte und Patronin des „Darf’s noch ein bisschen mehr sein?“ im Verdacht. Ich bekomme an der Kasse so viele Gutscheine für die Käsetheke, löse sie aber nie ein. Ich kaufe immer nur verpackten Käse aus dem Regal. Sie grollt mir deswegen.

Die Käsefrau hat das Käsekühlregal im Blick. Sie starrt mich sofort an, wenn ich hinter den Antipasti hervorgetreten bin, und lässt mich nicht aus den Augen. Wenn ich den Frankenthaler-Biokäse erreicht habe, blicke ich mich kurz um. Ich weiß nicht, wie sie das schafft, aber ihr Gesicht zoomt sich in Großaufnahme heran. Purer Hass eruptiert, hauptsächlich aus ihren Wangenknochen und Lippenoberbögen. Zeitlupe. Ich greife nach dem Frankendammer und werfe mich zur Seite. Gerade noch rechtzeitig, ihr Blick allein lässt bei allen Produkten, vor denen ich gerade noch stand, das Mindesthaltbarkeitsdatum ablaufen. Ich rappele mich auf, und verschanze mich hinter der alten Dame, die nach billigem Stockfisch für Fiffi sucht. Sie protestiert, als ich sie an mich reiße und als menschliches Schutzschild verwende, bis ich hinter dem Weinregal in Sicherheit bin. Ich weiß gar nicht, warum sie so meckert, sie hat ihr Mindesthaltbarkeitsdatum ja schon lange überschritten.

Als ich zu Hause angekommen bin, hatte ich jedenfalls die Backmischung „Plätzchen aus Hass“ in meiner Einkaufstüte. Die Packung kreischt ein wenig, wenn man sie schüttelt und verspricht: 0% Fett, 100% Hass. Das muss gut sein.

Noch eigentlicher wollte ich an dieser Stelle die Story erzählen, wie ich heute morgen von einem zwei Meter durchmessenden Vivil-Bonbon verfolgt wurde, dass auf dem Fahrradweg hinter mir her rollte. Aber es ist dann falsch abgebogen und irgend so einem anderen Typen mit Wahnvorstellungen von Vivil-Bonbons hinterhergerollt. Scheiß Psychopathen überall.

Permalink 1 Kommentar

Hirsepuddingkopf

8. Sep 2008 at 22:46 (Artikel für dicke Menschen) (, , , )

Wir sollten alle Singen und Tanzen. Das ist Gottes Wille und ein integraler Bestandteil unserer Existenz. Deshalb habe ich ein Lied geschrieben, das ich an dieser Stelle vorstellen möchte. Es heißt „Hirsepuddingkopf“.

Die Melodie geht so: ♪♫♫♪♪

Und das ist der Text:

Erste Strophe:

Ich wäre gerne eine Würstchenbude am Sandstrand,
ich speite Budenwürstchen in den Strandsand
wo sie sich verpuppen.

Fleischfalter entsteigen dem Watt, zeigen ihre Fleischfalten der Sonne und lassen sie knusprig bräunen.

Zweite Strophe:

Es steht ein Gartenbausatz neben dem Obi-Filial-Vize
der passt zu meinem Bausatzgarten mit Brachial-Mieze,
die immer eifrig bollert.

Gurkenfässer füllen sich langsam, doch leeren sich noch viel langsamer. Irgendwann schmeißt man den ganzen Scheiß weg.

Refrain:

Das Hirsepudding-Reinheitsgebot ist der Paragraph 218 des neuen Jahrtausends,
nur Frauen mit dicken Hüften schauen so genau auf die Packung drauf. *)

Dicke Hüften sollte man mal lüften,
dicke Hüften muffeln gern mal schnell
dicke Hüften sollte man mal lüften,
sonst steigt der Dampf in deinen Hirsepuddingkopf.

*) Das reimt sich, wenn man eine wirklich komische Aussprache hat.

Die dritte und vierte Strophe sind so ähnlich wie die ersten beiden, nur mit dem Klatschen von Fliegenklatschen auf französische Männerwaden unterstrichen. Alternativ kann man auch das Geräusch verwenden, das entsteht wenn man an Sunkist-Safttaschen nach Entfernen der Sunkist-Haftlaschen und Einführen des Strohhalmes in das Zielgebiet, saugt, obwohl der Füllstand schon bedenklich niedrig ist.

Permalink 1 Kommentar

Ticks and Leeches

7. Sep 2008 at 01:11 (Artikel für dicke Menschen) (, , , , )

Ein Märchen(-anfang) für den kleinen Leser.

Vor langer, langer Zeit in einem weit, weit entfernten Land passierte gar nichts. Und das so lange, bis die Zeit nur knapp vor heute war und das Land dank der Plattentektonik schon recht nah an hier herangekommen war. In diesem Land lebte die schönste Prinzessin, die jemals von Augen erblickt wurde. Und Augen erblickten sie nur kurz, denn die Prinzessin befahl ihren bereits geblendeten Gardisten jedermann, der sie ansah die Augen auszustechen, denn Augäpfel waren die Hauptzutat für ihr wundervolles Makeup.

Doch es kam, wie es kommen musste. Die Prinzessin starb, 75 Jahre nach dem sie geboren wurde, und faulte in ihrem Lustgarten vor sich hin, da es niemanden gab, der ihre Leiche erblicken hätte können.

Sie war der schönste Leichnam im Lande, und war bald bewohnt von Motti, der kleinen Made mit dem großen Herzen, von dem sie jeden Tag einen ordentlichen Bissen nahm.

Die Tage vergingen, und mit ihnen die Nächte, Motti wuchs und gedieh, bis eines Tages Erasmus, der kluge Aaskäfer ihr einen Besuch abstattete und sprach: „Motti, lass uns das Glück suchen.“ „Aber Erasmus, kluger Freund, das Glück? Wie sollen wir so etwas Abstraktes wie das Glück denn finden?“ „Ganz einfach, liebste Motti, das Glück ist eine rein hormonelle Angelegenheit, reine Chemie. Lass uns an einer Drüse knabbern, die das pure Glück ausströmt und uns daran berauschen.“ „Aber Erasmus, du reduzierst das Glück auf seine rein chemische Komponente? Was ist mit den ethischen Aspekten?“ „Aber Motti, du Mädchen*, dein Gehirn ist doch nicht ausgeprägt genug, um den Ethikbegriff zu fassen!“ „Oh, stimmt.“ Und sie beschlossen, von der Glücksdrüse zu futtern.

* Vorsicht: Doppeldeutig!

Permalink 1 Kommentar

Narcolepsy

6. Sep 2008 at 20:03 (Artikel für dicke Menschen) (, , , )

Das wird kein Artikel über Hitler und die Rasenfrage. Was könnte ich schon beitragen? Ich bin kein Joachim Fest, und auch kein „Ratgeber: Heim&Garten“-Gucker.

Wenden wir uns dem Inneren zu, nein, nicht schon wieder dem Gedankenbrei zwischen meinen Ohren, sondern den ach so wichtigen Därmen, die wir alle in uns tragen:

Die Stadt hat einen ganz eigenen Geruch. Süßlich faulig riecht es meist, Grund ist wohl die Kunstdarmfabrik, die sehr zentral liegt. Ich habe Alpträume von Menschen in Kunstdärmen, die sich über schmierigen Fließenboden robben und zu schreien scheinen. Man erkennt es nicht genau, man hört es nicht, die Därme sind schalldicht. Wer hätte es gedacht? Die Därme sind schalldicht.

Weiter nach oben, betrachten wir den Magen:

Eine junge Frau übergab sich auf einem Parkplatz. Wir schauten alle zu, unsere Neugier unbändig, wir wollten wissen, was da wohl das Licht des Tages wieder erblicken würde. Aber es war nicht erkenntlich, es kam nur eine braune Pampe hervor. Ihre Magensäure hatte ganze Arbeit geleistet. Das enttäuschte Publikum warf faulige Tomaten nach der jungen Frau, die ohne ersichtliche Quelle von Hand zu Hand gereicht wurden. Es gab aber keine guten Schützen in der Stadt, nur drei Treffer.

Anders:

Schwarzarbeiter werkelten heute im Bauch dieses Hauses. In den tiefsten Abgründen schwangen sie ihre Hämmer, ließen ihre Kreischsägen singen und bohrten klaffende Wunden in das Gebäude. Ich weiß nicht, warum sie es taten, es war wohl Bestimmung.

War es Bestimmung? Ich weiß es nicht. Jetzt grillt jemand im strömenden Regen. Oder das Haus brennt, und ich rieche die kokelnden Nachbarn. Ich hoffe nicht, denn ich könnte mein Leben verlieren. Allerdings: Verlieren ist wie Gewinnen, nur nicht so schön…

Bleibt noch die Frage:

Die Guten kommen in den Himmel, die Schlechten in die Hölle, doch was ist mit uns Belanglosen?

Permalink 1 Kommentar

Take the long way home

5. Sep 2008 at 21:42 (Artikel für dicke Menschen) (, , , )

Der Zirkus, nein, „Circus“ Rudolf Busch ist in der Stadt und bewirbt seine Show mit der Zeile „Mit einer der größten Deutschlands“. Das ist mal cleveres Marketing, um was es da geht, muss wohl selber herausgefunden werden.

„Ein dunkler Nimbus umgibt das fahrende Volk“, sprach ich, vor dem Plakat stehend. Und siehe da: Ein Regentropfen schlug auf meinem Schädel ein, zersplitterte in tausend mikroskopische kristallene Stücke und entzog sich so meinem Wahrnehmungsbereich. „Ein Zeichen!“ dachte ich, aber vielleicht wars auch keins. Immerhin regnete es schon eine ganze Weile.

Ich wollte mich abwenden, mich dem Blick des etwas zu enthusiastischen Clowns, der das Plakat dominierte, entziehen, da kam der Dönermann mit gesenktem Blick vorbei und raunzte, mehr zu sich selbst: „Tage des Wurms, dies sind wahrhaft die Tage des Wurms.“. Er blieb neben mir stehen, schaute mich aber nicht an, sondern weiter in die Richtung, in die er ging. „Der Clown ist der Meister der Würmer.“ Dann ging er weiter, seine lockige Haar-Matte hinter sich her schleifend.

Würmer? Hat der Dönermann Probleme mit der Lebensmittel-Polizei? Ich ging in die andere Richtung davon, hielt mich heimwärts.

Blondierte Kinder auf einer Spielstraße, sich die Hände haltend, blockierten den Durchgang. Sie starrten kerzengerade in das Nirgendwo vor sich, und kauten langsam auf irgendetwas. Alle im gleichen Rhythmus, synchron wie an Schwarzwaldkühe montierte Schwarzwalduhren, die die Kaubewegungen ihrer Befestigungen koordinieren. Eine unnatürliche Kälte ging von ihnen aus. Der Winter kommt, dachte ich.

„Hallo Kinder, darf ich durch?“ fragte ich. Sie schienen mich nicht gehört zu haben, jedenfalls zeigten sie keine Reaktion. Ich ging noch einen Schritt näher, sprang jedoch gleich wieder zurück, als ich das zermatschende Geräusch unter meinen Sohlen hörte.

Eine schlängelnde Masse bewegte sich entlang der Reihe der Kinder, und umflutete ihre Füße. Larven, Maden, Schnecken und Würmer, vor allem Würmer krochen langsam, sich ewiglich um sich und alles in ihrer Umgebung windend, den Pfad von Leibern entlang. Ich trat noch ein paar Schritte zurück. Die Kinder schienen von all dem unbeeindruckt. Wird Zeit, dass die Schule wieder anfängt, dachte ich, und nahm den langen Weg nach Hause.

Die Stadt ist unruhig, ihre Menschen handeln irrational. Ist der Clown verantwortlich zu machen? Vermutlich. Es heißt wachsam zu bleiben.

Permalink Kommentar schreiben

Two-Headed Boy

3. Sep 2008 at 22:50 (Artikel für dicke Menschen) (, , , , )

Meine linke und meine rechte Gehirnhälfte unterhielten sich heute mal wieder ziemlich lautstark, was mich ziemlich abgelenkt hat. Da tippt man aus beruflichen Gründen Taste um Taste auf der Computer-Klaviatur, und muss auch noch darauf achten, dass die Reihenfolge der Tastenanschläge stimmt, um ein wohlfeiles Ganzes zu produzieren, da röhrt plötzlich etwas „Libanon-Zedern. Mhm, ich föhne meine Libanon-Zedern, die auf der Pelle meines Dasein wachsen.“ von links zur Melodie eines alten Beatles-Songs. Die Präsenz der Wand links neben meinem Arbeitsplatz machte die Herkunft des schrägen Gesangs unwahrscheinlich, es sei denn eine Horde von als Patina getarnten Mikroorganismen, die sich in der alten Tapete vermehrten, brüllte gerade ihre Nationalhymne.

Unwahrscheinlich, recht unwahrscheinlich. Das von rechts gebrüllte „Klappe, du kleiner Entenmann!“ überzeugte mich, das meine Schädelinnereien wieder im Clinch lagen. Rechts mein kleinkindliches Gemüt, links meine psychoanarchistische Natur.

Ich mag sie beide nicht. Aber eine Lobotomie ist viel zu teuer, und sie einfach durch Silikon-Implantate zu ersetzen, bringe ich nicht übers Herz. Deswegen sollte ich vielleicht zuerst ein Herz-Implantant einsetzen lassen. Zeit mit dem Sparen anzufangen.

Permalink Kommentar schreiben

« Vorherige Seite