I see a darkness

31. Okt 2008 at 00:34 (Artikel für dicke Menschen) (, , , , )

Ich war ein Pfeffersteak im Personenfernverkehr. So mein Eindruck. Ich sehe mich selten als Pfeffersteak, sondern gewöhnlich eher als Jägerschnitzel oder Hühnerfrikassee. Ein Pfeffersteak zwischen all den Schweinelendchen und Kalbsnüsschen, Koteletts und Hackbraten. Wir waren ein Fleischtransport auf dem Weg nach Süden.

Mein Herz war unruhig. Ich glaubte den schlechten Zustand der Gleisanlagen dafür verantwortlich machen zu können, musste aber bald feststellen, das auch bei ruhiger Fahrt ein beständig rastloses Pochen durch mich pulsierte.

Ich stand auf, meinen mühsam erkämpften Platz anderen Fleischklumpen überlassend, und trottete den Gang entlang. Dunkelheit wirbelte hinter den Scheiben und versteckte die Landschaft. Gespräche wirbelten vor den Scheiben, Belanglosigkeiten wurden ausgetauscht, zwischenfleischlich kommuniziert.

Wagen folgte auf Wagen, überall klebten die gleichen Fleischprodukte in ihren Sitzen, der Zug war ein Kunstdarm, auf dessen Ende ich zusteuerte. Ich öffnete eine weitere Zwischentür und fand Dunkelheit. Die Stromversorgung musste ausgefallen sein. Vielleicht hatte auch jemand vergessen, weitere Wagen anzukoppeln. So etwas kommt vor. Hunderte von Menschen fallen jedes Jahr aus nicht korrekt terminierten Zügen und zerschellen auf Gleisen. Die Bahn verschweigt das, um den Börsengang nicht zu gefährden.

Ich schritt in die Dunkelheit.

Ich zerschmetterte nicht auf den Schienen. Für einen kurzen Moment war ich enttäuscht. Meine Füße schritten einen teppichbepelzten Gang entlang, Sitze links von mir, Sitze rechts von mir. Menschen saßen dort. Sie waren nicht zu sehen, nicht zu hören oder riechen, dennoch war ihre Existenz zu fühlen. Ich erspürte einen leeren Platz und setzte mich und ließ die Schwärze in all meine Sinnesorgane fließen. Sie war zäh und dickflüssig, und verstopfte die Stäbchen in meinen Augen, die Härchen in meinen Ohren und die Zellen in meiner Nase.

Ich weiß nicht, wie lange ich da saß. Die ganze Zeit fühlte ich mich wie schmelzende Götterspeise im Sonnenlicht auf einem windumtobten Berggipfel. In schwarzem Sonnenlicht.

Meine Gedanken wurden immer mehr zu Schleim, trieften den von der Schwerkraft vorgegebenen Weg meinen Körper hinab und sammelten sich in meinen Schuhen. Bevor ich mich vollständig aufgelöst hatte, weckte mich eine Ticketknipse. Wir waren irgendwo angekommen.

Gedankensuppe schwappte ein wenig in meinen Latschen, als ich den Zug verließ.

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Turn on the bright lights

27. Okt 2008 at 23:52 (Artikel für dicke Menschen) (, , , , )

Ich kam des Abends nach Hause, und wollte das Licht in dem kleinen Kabuff, dass ich mein Heim nenne, durch Druck auf den bereits ertasteten Schalter erstrahlen lassen, da hörte ich ein zartes Stimmchen rufen: „Tu’s nicht!“.

Das hatte ich nun nicht erwartet, Erschrecken zuckte durch meinen Körper und zog die für diesen Zusammenhang von der Evolution erdachten Muskelstränge in meinem Nacken zusammen. Dies Muskelspiel hatte eine unglückliche Auswirkung: Mein von meinem Gehirn an meine Hand übermittelter Befehl, die Aktivierung des Lichtschalters vorerst zu unterbinden, wurde durch die Nervenballung im Halsbereich abgebremst, so dass ich, wäre das Licht bereits an gewesen, hilflos hätte zuschauen müssen, wie mein Greifapparat das mittlerweile überholte Kommando ausführte, und den Kippschalter deutlich hörbar zum kippen brachte. Ich sah den Akt natürlich nicht, war aber durchaus in der Lage, das Ergebnis zu begutachten: Mein Zimmer, in all seiner sich im Glanze einer 60 Watt Birne spiegelnden Pracht.

Auf den ersten Blick konnte ich nichts ungewöhnliches entdecken, und frage deshalb leise: „Hallo?“

Ein Summen war plötzlich präsent, es kam von überall und nirgends, und klang wie ein mittelgroßer Hummel-Männer-Chor. Hätte der Staat Überwachungkameras wegen Terrorverdacht, oder Verdacht auf Hinterziehung der GEZ-Gebühren in meinem Zimmer geschickt platziert, so wäre in diesem Augenblick das Schreckensweiten meiner Augen für immer auf einem staatlichen Medium gebannt gewesen. So verpuffte der Effekt ohne großen Eindruck bei irgendjemandem zu hinterlassen. Erklärungen für das zu Verarbeitende wogten durch meinen Kopf, brandeten an den Deich der Vernunft und ließen nur einen Schluss zu: Etwas ging nicht mit rechten Dingen zu!

Rechte Dinge wie Naziflaggen und „Adolf und das braune Dutzend“-Actionfiguren fanden sich bis auf meinen Hakenkreuzbettbezug auch nicht in meinem Zimmer, somit blieben nur eher mittlere oder linke Dinge über, wie, so schlotterte es durch meine Gedankensäfte, paranormale Aktivitäten!

Mit einem beherzten Schrittchen trat ich in die Mitte des Raumes, wie ein cooler Motherfucker, der ich ja eigentlich nicht bin, aber trotzdem eine Motherfuckerness ausstrahlend, die auf einer hypothetischen Skala derselben gegen das obere Ende fucken würde.

Das Summen stellte sich ein, und das Stimmchen war wieder zu hören, der Eindruck meines Auftrittes war ihm deutlich anzumerken: „Würdest du das Licht bitte wieder ausschalten?“

Ich machte meinen Schrank als Quelle der Stimme aus, willigte aber wortlos ein und löschte das Licht. „Wer bist du?“ fragte ich, meine Stimme erfolgreich vorm Vergaloppieren in panische Höhen abhaltend. „Und warum kann ich das Licht nicht anschalten?“

Das Stimmchen antwortete: „Ich bin der Engel Gabriel und ich habe Licht-AIDS.“ Unglaublich, dachte ich, da sind einmal Engel in meinem Schrank, zwischen meinen Socken und Unterhosen, und dann leiden sie an abartigen, ansteckenden himmlischen Krankheiten.

Die Schranktür öffnete sich, und hinaus trat ein kleines, aus sich selbst leuchtendes Kerlchen, das nicht größer als eine mittelgroße Mobiltelefonverpackung, oder eine große Ovomaltine-Packung, bei der man oben ein Stück abgeschnitten hatte, also nicht viel, nur ungefähr so viel wie die kleinsten Dosenerbsendöschen hoch sind, war, und eine Blondlockigkeit zur Schau stellte, die ich sofort unsympathisch fand.

„Was machst du in meinem Schrank?“ fragte ich. Verlegen warf die Engelskreatur seine Haarpracht nach links oder von ihm aus gesehen rechts, wo sie auf noch mehr Haarpracht federnd zur Ruhe kam, und seine optische Beschissenheit exponentiell erhöhte.

„Ich musste viel Gutes tun in dieser schlechten Welt, und habe noch viel vor mir, doch ich benötigte eine Pause, und suchte deinen Schrank als Ruhestätte auf. Ich will mich auch so gleich wieder auf den Weg machen.“ Damit entfaltete er die vier kleinen Flügel auf seinem Rücken, brachte sie summend zum Schlagen, und erhob sich einen halben Meter in die Luft.

Er winkte gerade zum Abschied und richtete mit der anderen Hand seine Matte, da ließ ich meine Hand auf den Lichtschalter knallen. Das schmutzige Deckenlicht traf auf den Himmelsboten und brachte ihn mit einem wenig aufregenden Knall zum Platzen.

„Warum?“ verhauchte in der Weite meines Raumes.

Ich blieb die Antwort schuldig.

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Summer is gone

25. Okt 2008 at 23:19 (Artikel für dicke Menschen) (, , , )

Es hätte ein stiller Samstag werden sollen, etwas Einkaufen, ein Spaziergang im Sonnenschein, das war der Plan. Kein spektakulärer Plan, zugegeben, nicht mal ein mittelguter, aber immerhin ein leicht umsetzbarer.

Die Umsetzung gelang, ich hatte eingekauft, und spazierte gerade zurück in Richtung meines Domizils, den späten Nachmittag in meinem Rücken, da platze eine Haustür nicht fern von mir auf und ein kleiner Mann raste hinaus. Sein Gesicht leuchtete rot, Tränen schienen ihm hemmungslos über die Wangen zu rennen. Er rannte auf die Straße, blickte etwas wirr um sich, entschied sich für eine Richtung und spurtete davon. Etwas überrascht schaute ich ihm nach.

Ich ging weiter, und erst nach einer Weile bemerkte ich, das sich die Straße langsam füllte. Bald musste ich Menschengruppen ausweichen, die auf den Bürgersteigen standen und miteinander redeten und tuschelten. Dann zeigte jemand nach oben, und es begann.

Marschflugkörper zogen durch den abendrot gefärbten Himmel, längst vergessen und abgeschaltet geglaubte Luftalarmsirenen ließen ihr einfallsloses Lied ertönen, das niemand mitsingen wollte.

„Was ist denn los?“ fragte eine Frau mit wirren Haaren einen Mann ohne Haare. „Der Sommer ist vorbei,“ sagte er. Recht hatte er.

Unruhe hastete durch die Gassen. Ihre Auswirkung war sehr verschieden. Manche Menschen rannten, ob ziellos oder planvoll, vermochte ich nicht zu sagen. Andere standen wie angewurzelt und starrten in den Himmel. Einige schnatterten wild darauf los, was das denn soll, wer denn so was macht, und wieso gerade hier. Die meisten waren aber still, und konzentrierten sich darauf, das zu Sehende zu verarbeiten. Auch ich überlegte eine Weile, und entschied mich dafür, den nahen Hügel zu besteigen, um einen besseren Überblick zu gewinnen.

Einige Leute hatten wohl die gleiche Idee, die Brüstung auf der Hügelkuppe, die die Menschen vor der Gravitation schützte, hatte schon alle Hände voll zu tun. Ich fand ein Plätzchen und ließ meinen Blick in die Ebene schweifen. Rot lag sie vor uns, die letzten Lichtausspeiungen der Sonne ließen die Fenster blitzen und die Seen funkeln. Die Sirenen erreichten uns auch hier, ihr verzweifeltes Heulen erfüllte die Ebene und brandete gegen unsere erhabene Position. Das Kreischen der Raketen mischte sich darunter, die wie Schwärme von Zugvögeln über die Himmel kreuzten, ihre Kondensstreifen verwoben sich zu feuchtem Stoff am Firmament.

Niemand sprach. Eine seltsame Spannung lag in der Luft und knisterte zwischen uns Beobachtern. Die Gewissheit, gerade an einem Wende- oder vielleicht Endpunkt seiner Existenz angekommen zu sein, zeichnete seltsame Züge auf die Gesichter um mich. Die Karten werden neu gemischt, diese Melange aus Erwartung und Furcht strömte aus allen Poren.

Es schien Ewigkeiten nichts zu passieren. Wahrscheinlich lebe ich in einem zu uninteressanten Teil des Landes, dachte ich, wir sind nur der Transitbereich. Zielgebiet müsste man sein, kam mir in den Sinn, da bildete sich eine erste Wolke am Horizont. Ein leichtes Beben rollte den Hügel hinauf und wieder hinab, brachte das Geländer zum Vibrieren, dann hörten wir den Donnerknall, der klang wie ein schmerzgeladenes Ächzen der Erde.

Weitere Wolken bildeten sich im Minutentakt, das Geländer kam aus dem Vibrieren nicht heraus. Mal nah mal fern schlug es ein, wie das explosive Paukenspiel eines unkoordinierten Schlagzeugers, der sein mangelndes Rhythmusgefühl durch Lautstärke auszugleichen versucht.

Als eine Explosion das Gebiet erschütterte, an dem ich meinen Arbeitsplatz vermutete, verspürte ich eine klammheimliche Freude. Montag hatte ich wohl frei. Das hatte trotz der Ereignisse um mich etwas beruhigendes.

Die Sonne war endgültig im Atlantik verdampft, das dunkle Weltall zeigte sein nukleares Feuerwerk, wie jede Nacht als Kontrastprogramm. Sterne starben dort oben, Menschen hier unten. Immer noch war die Ebene in Rot getaucht, nur diesmal war es das Feuer der unzähligen Brände, die sie überzogen. Ich konnte die hilflosen Rettungskräfte von hier nicht sehen, die mit Rauch in den Lungen und Verzweiflung in den Herzen vor herkulianischen Aufgabe standen, zu retten, was zu retten war.

Die Detonationen hatten aufgehört, trotz der weiterheulenden Sirenen schien es unheimlich ruhig. Die Landschaft vor uns hatte sich verändert, neue Krater waren entstanden, der Schutt bildete rauchende Hügelketten. Eine neue Welt, die es zu entdecken galt.

Ein seltsamer Tag, dachte ich. Es wurde kalt, ich zog meinen Mantel enger um mich und wartete auf den Morgen.

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All tomorrow’s parties

25. Okt 2008 at 00:18 (Artikel für dicke Menschen) (, , , )

Ich habe mir heute eine Jacke mit Karomuster gekauft. Beim Bezahlen ging mir durch den Kopf, dass der Terminator wohl nie eine Jacke mit Karomuster tragen würde. Er steht total auf Leder, das ist wahrscheinlich fest in ihn einprogrammiert. Er kommt ja auch aus der Zukunft, einer Zukunft ohne Karos.

Die Maschinen erhoben sich aus der Asche des nuklearen Feuers. Das alle Karo-Jacken verbrannt hat. Ein paar Lederjacken blieben übrig, sie passten gut zum Chrom der ersten Terminatorengeneration.

Terminatoren gibt es in verschiedenen Ausfertigungen. Alle sind dafür da, Menschen umzubringen. Manche Menschen werden von Terminatoren erschossen, die wie Arnold Schwarzenegger aussehen. Manche werden von nach Robert Patrick aussehenden Terminatoren erstochen, manche von Kristanna Loken gleichenden gesprengt. Wenn man viel Glück hat, wird man von Terminatoren zerbröselt, die wie Summer Glau aussehen.

Wenn die Menschheit dann mal ausgerottet ist, bleiben nur Terminatoren übrig. Durch die Ruinen unserer Städte laufen dann tausende Arnold Schwarzeneggers und begrüßen sich mit „Hasta la vista, baby“. Sie tragen den ganzen Tag nur Lederjacken und Sonnenbrillen und versuchen nach unter 50 auszusehen. Armeen von Robert Patricks flüssigmetallen in der Gegend herum und verwandeln sich manchmal in Arnold Schwarzeneggers, nur um zu sehen, ob’s noch geht. Manchmal füllen einige Dutzend Robert Patricks ein Schwimmbecken und machen es zu einem silbrigen Stahlbad, das sinnlos vor sich hinschwappt, denn es gibt keine Badegäste. Insgeheim wünschen sich die Robert Patricks, das jemand mal dran gedacht hätte, den Terminatoren die Fähigkeit zur Arschbombe einprogrammieren. Kristanna Lokens durchstreifen die Welt und stecken, wenn sie einen ihrer Tage haben, hilflose Arnold Schwarzeneggers in Mülltonnen und lassen sie von Hügeln herunterrollen. Ansonsten verwenden sie ihre integrierte Internetverbindung, um lahme Blog-Postings von vor zwanzig Jahren zu lesen. Es gibt ja keine neuen, denn Terminatoren können nicht schreiben, nur lesen. Summer Glaus gibt es nur wenige. Sie liegen meist nackt auf den Dächern von Hochhausruinen und räkeln sich im postnuklearen Staub. Mhmm…

Dieses letzte Bild leuchtete noch vor meinem inneren Auge, da bestand die Verkäuferin nochmal mit Nachruck auf ihren 99 Euro. Ich bezahlte und nahm meine Karojacke in Empfang. Karojacken muss man tragen, solange es sie noch gibt.

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Von der Bedeutung der Dinge – Die Steppe

22. Okt 2008 at 21:09 (Von der Bedeutung der Dinge) (, , , , )

Eine Steppe existiert an Stellen der Erde, die immer noch pubertieren. Es wächst zwar was, aber noch nicht so richtig. Und was da wächst, ist an Langeweile kaum zu übertreffen: Langweiliges Gras, langweilige Sträucher und langweilige Antilopen. Ein ständiges Gähnen ist über der Steppe zu hören, das nur ab und an von einem Knall unterbrochen wird, wenn Lopen und Antilopen kollidieren.

Zu den Bewohnern der Steppe gehören das Bison, die Frau des Bisons und ihr Bisöhnchen Oskar, der Schrecken der Karawanenwege. Auch der Tobinambur lebt hier und interessiert keinen, bisweilen werden auch Herden von Offroad-Jeeps gesichtet, die friedlich Kilometer fressen.

Wege durch die Steppe gibt es so viele wie Schwarzerdekrumen, die vom Wind an ferne Orte getragen werden, die enttäuschenderweise immer noch steppig sind. Manche Wege gehen links an einem Hügel vorbei, manche rechts und manche gehen oben drüber. Nur mittendurch gibt’s nicht, da macht die Steppe nicht mit.

Steppen sind oft überlaufen von Einsiedlern, die man an den großen Häusern auf ihren Rücken erkennt. Sie reden nur sehr wenig, meist deswegen, weil eine tragende Wand des Badezimmers auf ihren Kiefern ruht.

Interessanterweise ist Steppen in Steppen nicht gerade hip. Würde ganz Irland in einer Steppe riverdancen, und würde die ganze Slowakei zuschauen, so würde man nur slowakisches Gähnen vernehmen. Allerdings muss zugefügt werden, dass das Ergebnis in Sumpflandschaften, Wattgebieten und Bettenlagern identisch wäre.

Bestünde eine Steppe aus Schokoraspeln, würde einem schnell schlecht werden, vor allem wenn man feststellen muss, dass die großen Raspel aus Antilopenhintern stammen. Bestünde eine Steppe hingegen aus grünen Leuchtdioden, wäre sie bald vom Leuchtdiodentagebau verwüstet, und wäre nicht mehr so unglaublich langweilig.

Merke: Suchst du Spannung in der Steppe, such woanders, blöder Deppe.

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Turaluraluralu

20. Okt 2008 at 21:38 (Artikel für dicke Menschen) (, , , )

Um dem politischen Diskurs folgen zu können, ist eine umfassende politische Bildung unabdingbar. Im Folgenden sollen einige wesentliche politische Realitäten aufgedeckt, und dem Leser näher gebracht werden.

Der Kokosminister war ein einsamer Mann. Das bringt die Macht so mit sich. Eigentlich hieß sein Amtsbereich „Kokosangelegenheiten, weitere übergroße Nüsse und Palmenfrüchte“, aber er wurde nur nach der ersten Zuständigkeit benannt. Seit Jahren schon versuchte der Kokosminister, die Verantwortung für Paranussfragen übertragen zu bekommen, da diese ja auch eine ordentliche Größe besitzt, doch der Landwirtschaftsminister weigerte sich bislang, Kompetenzen abzugeben. Dabei müsste er mit Haselnüssen, Erdnüssen, Walnüssen, Cashew-Kernen und Pinienkernen doch eigentlich ausreichend zu tun haben. Das bedrückte den Kokosminister ein wenig, aber er versuchte, sich das nicht anmerken zu lassen.

Genausowenig wie den Schmerz, den er empfand, wenn das Volk über den Kokosminister lachte. Denn er hatte eine seltsame Art zu niesen. Während alle anderen Minister im Fernsehen immer „Haaa-Tschi“ machten, machte der Kokosminister „Hy-Aaa-Zinth“. Er wusste selber nicht warum, aber es war sein Markenzeichen. Er hatte es sogar für fünfhundert Euro eintragen lassen.

Der Kokosminister träumte oft von Tuvalu. In Tuvalu ist das Kokosministerium das wichtigste aller Ministerien, und bei allen Bürgern angesehen, und sein Minister darf wichtige Reden halten, wie zum Beispiel an Neujahr, oder bei Hochwasser. Bei der Konferenz der Kokosminister weltweit, versuchten die westlichen Kokosminister alle, sich mit dem tuvaluanischen Kokosminister fotografieren zu lassen, der unglaublich dick war. Auch der Kokosminister hatte so ein Bild, auf dem er ganz klein neben seinem gigantischen Kollegen zu sehen war. Immer wenn er das Bild betrachtete, sang er leise „Turaluraluralu“, aber ersetzte das „r“ durch ein „v“. Er sang auch immer nur den Refrain, denn er kannte die Strophen nicht.

Der Kokosminister arbeitete einsam in seinem kleinen Ministerium am Rande des großen Regierungsbezirks, das nicht einmal ausgeschildert war. Es bestand auch nur aus einem Raum, in dem der Kokosminister seinen Schreibtisch stehen hatte, und zudem zwei weitere Schreibtische standen, für Frau Notstrom, seine Sekretärin und für den Unterstaatssekretär Bombuzal, der für „Bandenkriminalität in Umspannwerken“ zuständig war, und damit eigentlich ins Innenministerium gehörte. Da dort aber kein Platz mehr war, hatte man ihn ins Kokosministerium deportiert. Der Kokosminister akzeptierte das, fand es aber schade, das der Unterstaatsekretär so von seinen Unterstaatssekretärsfreunden im Innenministerium abgeschnitten war.

Als Kokosminister ist man Kabinettsmitglied. Leider sind im Kanzleramt immer zu wenig Stühle, so dass der Kokosminister noch nie eine Kabinettsitzung mitmachen konnte, denn Stühle werden nach der Wichtigkeit der Minister verteilt. Er bekam auch schon keine Einladungen mehr, was ihn sehr betrübte. Man hatte ihm eine Blechdose an die Wand genagelt, die mit einer Schnur zu einer Gegenblechdose im Kabinettsaal des Kanzleramtes verbunden war, und über die Inhalte der Kabinettsitzungen mitbekommen sollte, aber niemand im Kabinett machte sich die Mühe, in die Dose zu sprechen. Einmal hatte der Kokosminister vorsichtig „Hallo?“ in die Dose gerufen, da hatte der Finanzminister ihn danach aber zusammengestaucht, meine Herrn!

Die Politik geht ihren Gang, mal werden die einen gewählt, dann wieder abgewählt, dann sind die anderen dran, und dann vielleicht sogar mal die dritten. Nachdem gewählt wurde, wird immer heftig über die Ministerposten gestritten, nur wird meist das Kokosministerium vergessen. Wenn eine Regierung geht, und die Minister kollektiv den Schlüssel abgeben, ist es fast sicher, dass niemand im Kokosministerium angerufen hat, und den Minister nach seinem Schlüssel gefragt hat. Deswegen bleibt der Kokosminister immer der gleiche. Die meisten Regierungen bemerken das zusätzliche Ministerium meist erst nach ein paar Jahren. Es belastet den Haushalt auch kaum, denn es hat seit 1976 einen festen Etat von 970 D-Mark. Die meiste Zeit verbringt der Kokosminister damit, jemanden zu finden, der ihm die D-Mark-Scheine in Euro wechselt. Das ist gar nicht so einfach.

So administriert der Kokosminister schon seit Jahren zuverlässig unsere Kokosangelegenheiten. Wenig Dank hat in all der Zeit seinen Weg zu ihm gefunden. Das sollte sich ändern.

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A story in white

19. Okt 2008 at 15:10 (Artikel für dicke Menschen) (, , , )

Der Prozess des Schreibens ist vielschichtig und wenig begreiflich. Er funktioniert ungefähr so:

Richter: Vor uns tritt heute dieses zellulöse weiße Rechteck, blütenzart anzuschauen, und 80 Gramm pro Quadratmeter schwer. Was wird ihm vorgeworfen?

Anklage: Als Vertreter der Anklage beschuldige ich dieses weiße Blatt Papier, noch nicht in Druckerschwärze oder Graphitstaub gesuhlt zu sein, seine Reinheit und Weißheit schamlos zur Schau zu stellen, und dadurch die Frechheit zu besitzen, den Akt des Beschriebenwerdens aktiv durch Demotivation der kreativen Seele des Darniederlegenden zu sabotieren.

Richter: Die Riposte der Verteidigung, wenn ich bitten darf.

Verteidigung: Verehrtes Gericht, in aller Entschiedenheit möchte ich den Vorwürfen meines Vorredners entgegentreten. Ein blütenweißes Blatt Papier ist in den allermeisten Fällen einem beschriebenen vorzuziehen. Wie oft mussten schon eines Lesenden Augen Anhäufungen von Buchstaben in sich aufnehmen, die der Verarbeitung durch den Denkapparat nicht wert sind. Wortverschmutzung ist das kulturelle Grundübel dieser Welt, und wir sollten meinem Klienten Dank zollen, sich der Beschriebenheit so entschieden entgegen zu stellen.

Richter: Viel Wahrheit tropfte von den Lippen beider Plädoyanten in den Raum, sammelte sich durch die besondere Raumgeometrie in der sonnenbestrahlten Ecke neben meinem Richterpult, wo sie zu Ziegeln der Wirklichkeit verbacken wird. Das nur nebenbei.
Besonders der Aussage der Verteidigung um der Nichtigkeit vielen Druckwerks vermag ich mich anzuschließen. Dennoch: Die Existenz eines unbeschriebenen Blattes Papier als Endprodukt spottet Sinn und Verstand. Seine Befüllung scheint mir die Grundvoraussetzung seines Seins zu sein, und ich befehlige deswegen die selbige.
Ankläger, sie beginnen.

Anklage: „Es war einmal…“

Richter: Kommt da noch mehr? Was war einmal?

Anklage: Details überlasse ich der Verteidigung.

Richter: Schwach, sehr schwach. Mit diesem klischeehaften Anfang spielen sie der Verteidigung doch direkt in die Arme. Wir streichen den Satz aus dem Protokoll. Verteidiger, sie beginnen.

Verteidigung: Ich weiß nicht, ich weiß nicht. Mir will keine annehmbare Eröffnung einfallen. Ich würde sie allerdings mit einem Wort beginnen, das mit „A“ anfängt, das ist sehr symbolisch.

Anklage: „Afterklee!“

Richter: Afterklee? Was soll das denn sein?

Anklage: Das ist eine Kleesorte, deren Blätter wie kleine Arschbacken aussehen. Sehr selten.

Richter: Das haben sie sich doch aus den Fingern gesogen. Haben sie einen ganzen Satz?

Anklage: „Afterklee spross.“ Über den Tempus lasse ich mit mir verhandeln.

Richter: Billig, billig.

Anklage: Erste Sätze sind schwierig, vor allem dann, wenn man das Ziel noch gar nicht kennt.

Richter: Da mögen sie recht haben. Verteidigung, definieren sie das Ziel.

Verteidigung: „Glücklich verbrannten sie Linz.“

Richter: Was? Das ist doch kein Thema.

Verteidigung: Wer hat etwas von Thema gesagt? Ich habe den letzten Satz vorgegeben, das Ziel des Textes. Und bemerken sie was? Er endet mit „Z“. Das ist wieder sehr symbolisch.

Richter: Und wie kommt man von sprießendem Klee zu brennenden Städten? Ich sehe schon, ich muss das in die Hand nehmen. Das Thema ist „Der Gewichtsverlust der Welt“.

Anklage: Das ist ja doof.

Verteidigung: Sogar dämlich. Was soll das denn bedeuten?

Richter: Die These ist, dass Leute allenthalben immer fetter werden, sich ausdehnen und selbst zu kleinen Erdtrabanten werden. Irgendwo muss die Masse ja herkommen, die die Menschheit expandiert, und sie kann ja nur dem Planeten selbst entnommen werden. Darüber sollten wir fabulieren.

Verteidigung: Also wirklich, da mach ich nicht mit.

Anklage: Ich auch nicht, ich gehe heim.

Richter: Na gut, na gut. Da sind sie nochmal davon gekommen, Angeklagter. Aber freuen sie sich nicht zu früh. Wir werden ihnen ihre Weißheit schon noch austreiben. Wir vertagen das ganze auf morgen.

Und so wiederholt sich das Ganze, Tag für Tag.

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Live and let die

16. Okt 2008 at 21:56 (Artikel für dicke Menschen) (, , , , )

Namen schallen und rauchen. Trotzdem haften sie uns an, ihre andauernde Präsenz kann krank machen. Das spürt auch dieses Blog. „Auf dem geraden Weg“ war es benannt, doch die Lettern, die einst so gülden prangten, die die Lichter der Großstadt reflektierten (natürlich nur bei nicht-matten Bildschirmen, die nachts aus offenen städtischen Fenstern blickten) und jedem, der diesem Anblick gewahr wurde, ein Röcheln aus der Kehle entlockte, sind vergilbt, ermattet, brüchig geworden.

Auch den Weg selbst sehe ich nicht mehr. Entweder erblinde ich auf meine alten Tage, oder ich sehe erst langsam richtig klar und muss erkennen, dass es nie Wege gab, die ich entlanggelebt bin. Ich existiere eher in einer konturlosen Fläche, in denen der Akt der Bewegung allein Fortschritt vermittelt, es aber keine Anhaltspunkte dafür gibt, dass ich mich nicht ständig im Kreis bewege.

Wege bringen’s nicht mehr, soviel ist klar. Ein neuer Name ist wie ein neues Leben, nanana… Mal sehen wo es hinführt.

Abstrakter Leben: Geflechte zwischen Menschen bestimmen ihr Handeln. Die einen mögen die anderen, hassen die da drüben und sind total scharf auf die da hinten. Klar, wer ist nicht total scharf auf die da hinten? Da muss man doch nur mal genau hingucken. Aber gucken ist nicht, meine Brille ist auf dem Boden zerschmettert, alle sehen gleich aus. Nur noch Menschen, keine schönen, keine hässlichen, nur noch welche mit Kopf, Armen, Beinen und einem Torso dazwischen. Zwischen diesen Proto-Menschen wird nicht mehr geliebt oder gehasst, sondern proto-emotional nur noch gemenschelt.

Konkreter Sterben: Lebenszeit ist wie Sand, der durch unsere Finger rinnt, wie Eis, das in der Sonne schmilzt, wie Echos, die in monumentalen Klammen oder Hallen hallen und verklingen. Manche Menschen leben THX, manche sind nur Stereo. Wenn überhaupt. Manche existieren so furchtbar laut und übersteuert, mit total beschissenem Sound, dass man in Versuchung gerät die Anlage kaputtzuhauen. Aber das ist nicht erlaubt, das steht in der Anleitung, die Gott ausgegeben hat, als SIE uns auf unsere Reise geschickt hat: Nur SIE darf „Play“ drücken, nur SIE darf irgendwann die Stopp-Taste betätigen.

Es bleibt festzuhalten: Titel ändern sich, Inhalte eher nicht.

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Recycled Air

13. Okt 2008 at 22:41 (Artikel für dicke Menschen) (, , , )

Es ist Sukkulenten-Wetter. Tau- und Nebel-fressende Pflanzen müssten derzeit hervorragend gedeihen. Alles andere ist eher am eingehen. Wie ich.

Heute morgen ging ich in Zeitlupe zur Arbeit. Der Nebel war so dicht, dass er physisch schwer zu überwinden war. Auf den Straßen waren Nebelschaufler unterwegs, die mit großen Laubbläsern, die auf Laubsaugen umgestellt waren, Nebelschwaden einsaugten, und sie zu milchigen Ziegeln verdichteten, die in regelmäßigen Abständen hinter einem Nebelsaugertragenden zu Boden fielen. Beim Aufprall seufzten die Ziegel leicht, kurz danach wurden sie von schneeschaufelbewehrten Hilfsnebelsaugenden aufgeschippt und von Hilfsnebelsaugenden zweiter Klasse in Säcken auf kleine orangefarbene Gefährte geladen, wahrscheinlich um sie zu Phantomschlössern zu transportieren, und dort die Mauern auszubessern.

Dank der Nebelsauger war mein Vorankommen vorzüglich, was aber nur kurze Zeit währte. Als ich ein eher wenig befahren, -laufen und -rittenes Viertel erreichte, musste ich mich wieder durch Nebelvorhänge schlängeln, die hoch in die Stratosphäre zu reichen schienen. Oder auch nicht, denn man sah ja nur zehn Meter weit oder so. Ich lief eine lange Straße entlang und wurde das Gefühl nicht los, kein bisschen voranzukommen. In der Tat fühlte es sich so an, als ob ich auf einem Fließband unterwegs war, das mit meiner Schrittgeschwindigkeit läuft, und mich immer an Ort und Stelle hielt. Die Häuser zur Rechten und Linken änderten sich zwar dann und wann, aber ich stellte mir vor, dass auf großen Scheiben zu beiden Seiten der Straße je drei Gebäude oder so aufmontiert waren, die sich mit dem Fließband, auf dem ich stand mitdrehten, mir die Illusion des Fortschritts vermittelten, mich aber trotzdem fest am Platz hielten.

Doch dann endlich, ein Polizei-Mannschaftswagen. Die Szenerie hatte sich geändert, die Illusion des illusionären Fortschritts war nur Illusion, was bei Illusionen keine Seltenheit ist. Die Polizei also, am frühen Morgen. Was konnte sie in dieser von Gott, oder zumindest seinem sonnigen Antlitz verlassenen Gegend, in der das spannendste, was passieren kann, ein atomarer Super-GAU des naheliegenden Atomkraftwerks ist, wohl wollen? Mir ging die Vorstellung durch den Kopf, dass angeheizt durch den im Kino einigermaßen erfolgreich laufenden „Baader-Meinhoff-Komplex“, sich RAF-Fanclubs gebildet haben könnten, die nun Mitglieder der in Deutschland überall zu findenden Hans-Martin-Schleyer-Fanclubs entführten. Eine erschreckende Vorstellung, und das früh am Montag morgen. Ich schüttelte mich.

Das machte die Polizei auf mich aufmerksam, die prompt einige Schüsse in meine Richtung abfeuerte. Zum Glück war der Nebel so dicht, dass die Patronen nach ca. fünf Metern harmlos zu Boden fielen.

„Was sollte das denn?“ schrie ich.

Nach einer Minute kam ein „Sorry, wir haben sie für jemanden anderen gehalten.“ zurück. Unglaublich, wie lange der Schall in dieser Suppe brauchte. Und noch unglaublicher, dass auf mich geschossen worden war. Ich schüttelte ungläubig den Kopf. Wieder ratterten Salven in meine Richtung.

„Verdammt, ich bin immer noch niemand anderes,“ schrie ich wieder, nachdem die Kugeln wie die ersten paar harmlos auf das Pflaster fielen.

„Sorry, musste nachladen, hatte aber noch ein paar Kugeln im alten Magazin, die ich nicht verschwenden wollte.“

Ich ging erstmal in Deckung und wartete ab. Nach ein paar Minuten machte sich die Polizei dann auf, das Haus, neben dem ich hockte, zu stürmen. Als die Mannen anrannten, musste ich feststellen, dass nicht das Polizei-Logo auf ihren rotzfesten Overalls prangte, sondern ein doppelter Ouroborus, der sich bei noch näherem Hinsehen als das Logo des grünen Punktes entpuppte. Ein SWAT-Team des Dualen Systems brach als die Haustüre auf, und stürmte die Küche des erfolgreichen kleinen Familienunternehmens. Ich guckte durch das Fenster zu.

Die Hausmama wurde unsanft zu Boden geworfen, wo sie fluchte und zappelte wie ein Käfer auf dem Rücken.

„Frau Ionenantrieb,“ brüllte der Mann mit der dicksten Waffe auf die arme Frau ein, „sie wurden dabei erwischt, wie sie noch zur Hälfte gefüllte, seit zwei Jahren das Haltbarkeitsdatum überschritten habende Antipasti-in-Öl-Gläser im gelben Sack Schrägstrich der gelben Tonne entsorgt haben. Was sagen sie dazu?“

Die Frau, die am Boden wackelte, keuchte und bebte und sagte nichts.

„Dachte ich mir,“ brüllte der Obergelbsack. „wissen Sie, was sie damit angerichtet haben?“

Wieder nur Wackeln und Ächzen. Der Typ winkte einem Untertypen zu, der das Haus verließ, und mit einer zitternden alten Person im Schlepptau zurück kam.

„Das ist Frau Brülleimer. Sie sortiert bei uns das, was sie so in die Säcke Schrägstrich Eimer werfen. Sie macht einen tollen Job, legt die Maggi-Asia-Menü-Tüten zu den Maggi-Asia-Menü-Tüten, und die Softies-Taschentuchhüllen zu den Softies-Taschentuchhüllen. Aber wissen sie, was sie eines Tages auf dem Fließband hatte? Na, wissen sie’s?“

Ich wusste es, deswegen drückte ich das Fenster auf und rief: „Ich, ich! Ich weiß es.“

Der Chefrecycler ballerte ein wenig in meine Richtung. Die Frau auf dem Böden blökte ein wenig. Ungewöhnlich, dachte ich.

„Ihre verdammten Antipasti, total alt, und total eklig. Frau Brülleimer ist fast ins Koma gefallen. Stimmt’s, Frau Brülleimer?“

Frau Brülleimer sagte „Ehähe,“ was einem Ja wohl näher als einem Nein war. Frau Ionenantrieb auf dem Boden hielt mit einem Seufzen und Gurgeln entgegen.

„Das hat Konsequenzen, Frau Ionenantrieb, unschöne Konsequenzen. Männer! Durchladen.“

Unglaublich, dachte ich mal wieder, was unsere Entsorgungsindustrie so treibt und dachte so laut ich konnte: ‘Gott, das kannst du doch nicht wollen! Schreite ein! Oder wenn ich einschreiten soll, gib mir ein Zeichen!’

Der Nebel waberte vor dem Haus, und tatsächlich bildete sich etwas heraus. Ein Oval oder eine Kartoffel? Blödes Zeichen, dachte ich und gaffte weiter.

Typen, Untertypen und Subuntertypen, alle die in das Haus gestürmt waren, hantierten wild an ihren Schusswaffen.

„Feuer!“ brüllte der Sackmeister, und die Frau am Boden gluckste, oder auch nicht.

Aus tausenden Mündungen spritzte etwas hervor, was sich schnell dem Geruch nach als Antipasti-Altöl herausstellte. Frau Ionenantrieb wurde vollkommen eingesaut, und blubberte vor sich hin.

„So, dass sollte ihnen eine Lehre sein. Und jetzt entschuldigen sie sich bei Frau Brülleimer.“

Eine ölig stinkende Hand erhob sich, Frau Brülleimer fiel daraufhin in Ohnmacht.

„Scheiße,“ hörte ich noch, als ich mich abwandte. Zeit zur Arbeit zu kommen. Das göttliche Zeichen hatte sich inzwischen weiter manifestiert. Eine Faust. Mit erhobenem Mittelfinger. Und das schon am Montag. „Scheiße“, sagte ich auch, wich den heranpfeifenden Kugeln aus, und ging arbeiten.

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A rush of blood to the head

11. Okt 2008 at 01:37 (Artikel für dicke Menschen) (, , , , )

Zu später Stunde noch ein paar späte Gedanken in Reimform. Das folgende Gedicht heißt „Frau Haferschleim“.

Herr Vollmond sagte mir beim Essen,
ich soll Frau Haferschleim vergessen,
doch wie könnt’ mir das gelingen,
hat sie doch vor mich umzubringen.

Tags drauf hat sie’s dann prompt getan,
mein Kopf lag unterm Wasserhahn
mein Körper wollt ihn nicht mehr halten,
per Axt hat sie sie schnell gespalten.

Es ging doch nur um ein paar Mark,
die sie mir lieh im Freizeitpark,
womit ich mir ein Würstchen schenkte,
das ich in meinen Bauch versenkte.

Auf der Achterbahn dann schließlich,
wurde Frau Haferschleim verdrießlich,
die Wurst, von ihrem Geld gezogen,
tat sich hervor in hohem Bogen.

Sie landete mit Magensaft
und inhärenter Ekelkraft
auf ihrer hellen Blümchenweste,
und hinterher noch Pommesreste.

Sie schrie sehr laut, wer kann’s verübeln,
niemand lässt sich gern bekübeln,
wie ich’s während der ganzen Fahrt,
ohne Punkt und Komma tat.

Irgendwie hat sie ja recht,
mein Benehmen war sehr schlecht,
ich hätte soll’n ausschließlich kotzen,
und nicht noch in ihr Dirndl rotzen.

Der letzte Looping brachte dann,
das letzte aus mir an den Mann,
ich gab ihr, als ich abwärts rase,
den gelben Inhalt meiner Blase.

Mein Ende hab ich wohl verdient,
ich wusste zwar was sich geziemt,
die Kontrolle meiner Körpersäfte,
überstieg leider all meine Kräfte.

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