What light

8. Okt 2008 at 20:39 (Artikel für dicke Menschen) (, , , , )

Weitere Beobachtungen über den Herbst in vier leichtverdaulichen Punkten.

  • Herbstlichtverschmutzte Bäume blickten heute auf mich hernieder. Lichtverschmutzung ist ein ernstes Problem auf dem Planeten, überall blinkt und schummert Altlicht ohne Mehrwert. Des Tages ist es besonders schlimm, unser Zentralgestirn ist, das ist wissenschaftlich fundiert, der Hauptverursacher für Lichteinstrahlung weltweit. So geblendet robbt der Durchschnittsbürger nur noch durch die Alleen und über die Bordsteinkanten, ein Bild des Jammers, könnte es jemand sehen. Es wird Zeit, den Plan von der Abschaffung des Sonnenlichts in die Tat umzusetzen. Trotz Bankenkrise wird sich hoffentlich etwas Geld für Großraumsatelliten mit riesigen Tintentanks finden lassen.

  • Gestern schon startete eine Invasion der insektoiden Art. Gemeine Marienkäfer erhoben sich aus dem Erdreich oder krochen aus den Rindeninnenseiten abgestorbener Bäume oder teleportierten sich spontan aus ihrer gepunkteten Dimension in die unsrige. Ich weiß nicht wo Marienkäfer herkommen, gestern waren sie jedenfalls da. Mindestens fünfzig Stück krabbelten über das Fenster, ohne das ihnen bewusst war, dass sie mir als Betrachter nicht ihre adrette Oberseite sondern das ferkelige Untenrum entgegenstreckten. Sie machten sich den Spaß in das Netz einer unterdimensionierten Spinne zu fliegen, dort ein bisschen zu strampeln und der ratlos guckenden Spinne dann wieder zu entfleuchen. In Dutzendergrüppchen lungerten sie an der Hauswand herum und belästigten vorbeikommende Wanzen. Es wird Zeit, dass der Winter diesem Treiben ein Ende bereitet.

  • Der Oktober begann überraschend warm. Zum Verdruss der Bevölkerung an sich ist die Eisdielen-Saison bereits beendet, und so ließ sich folgendes beobachten: Trauben phantomleckender Leute, deren Zungen sich in den Zwischenräumen der Lamellen der Rollläden von Eisdielen schlängeln, darauf hoffend, dass ihre Gustatorik noch den Nachgeschmack sommerlicher Eisspeisen aufnähme. Ein vergebliches Bemühen, wie auch ich feststellen musste, und ein von der Gesundheitsbehörde nicht empfohlenes.

  • Der Herbst bringt auch unwillkürlich die Blicke von Leuten die sagen: „Schöne Jahreszeit, aber das Jahr ist bald vorbei und von den großen Plänen, die ich mir an seinem Anfang vorgenommen habe ist noch keiner verwirklicht, und die Zeit wird langsam ziemlich knapp.“ Bald gefolgt von einem Stirnrunzeln, das ausdrücken will: „Dieses Jahr wird das nichts mehr. Wie es schon letztes und vorletztes Jahr nichts wurde. An davor kann ich mich dank einsetzender Altersdemenz zum Glück nicht mehr erinnern.“ An Sylvester sind die guten Vorsätze so zumindest schnell gefunden, und wie immer spricht nichts dagegen, mit Euphorie ins neue Jahr zu starten, und sich der Illusion hinzugeben, das dieses Mal alles ganz anders wird.

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