Live and let die

16. Okt 2008 at 21:56 (Artikel für dicke Menschen) (, , , , )

Namen schallen und rauchen. Trotzdem haften sie uns an, ihre andauernde Präsenz kann krank machen. Das spürt auch dieses Blog. „Auf dem geraden Weg“ war es benannt, doch die Lettern, die einst so gülden prangten, die die Lichter der Großstadt reflektierten (natürlich nur bei nicht-matten Bildschirmen, die nachts aus offenen städtischen Fenstern blickten) und jedem, der diesem Anblick gewahr wurde, ein Röcheln aus der Kehle entlockte, sind vergilbt, ermattet, brüchig geworden.

Auch den Weg selbst sehe ich nicht mehr. Entweder erblinde ich auf meine alten Tage, oder ich sehe erst langsam richtig klar und muss erkennen, dass es nie Wege gab, die ich entlanggelebt bin. Ich existiere eher in einer konturlosen Fläche, in denen der Akt der Bewegung allein Fortschritt vermittelt, es aber keine Anhaltspunkte dafür gibt, dass ich mich nicht ständig im Kreis bewege.

Wege bringen’s nicht mehr, soviel ist klar. Ein neuer Name ist wie ein neues Leben, nanana… Mal sehen wo es hinführt.

Abstrakter Leben: Geflechte zwischen Menschen bestimmen ihr Handeln. Die einen mögen die anderen, hassen die da drüben und sind total scharf auf die da hinten. Klar, wer ist nicht total scharf auf die da hinten? Da muss man doch nur mal genau hingucken. Aber gucken ist nicht, meine Brille ist auf dem Boden zerschmettert, alle sehen gleich aus. Nur noch Menschen, keine schönen, keine hässlichen, nur noch welche mit Kopf, Armen, Beinen und einem Torso dazwischen. Zwischen diesen Proto-Menschen wird nicht mehr geliebt oder gehasst, sondern proto-emotional nur noch gemenschelt.

Konkreter Sterben: Lebenszeit ist wie Sand, der durch unsere Finger rinnt, wie Eis, das in der Sonne schmilzt, wie Echos, die in monumentalen Klammen oder Hallen hallen und verklingen. Manche Menschen leben THX, manche sind nur Stereo. Wenn überhaupt. Manche existieren so furchtbar laut und übersteuert, mit total beschissenem Sound, dass man in Versuchung gerät die Anlage kaputtzuhauen. Aber das ist nicht erlaubt, das steht in der Anleitung, die Gott ausgegeben hat, als SIE uns auf unsere Reise geschickt hat: Nur SIE darf „Play“ drücken, nur SIE darf irgendwann die Stopp-Taste betätigen.

Es bleibt festzuhalten: Titel ändern sich, Inhalte eher nicht.

Permalink Kommentar schreiben