Von der Bedeutung der Dinge – Die Steppe

22. Okt 2008 at 21:09 (Von der Bedeutung der Dinge) (, , , , )

Eine Steppe existiert an Stellen der Erde, die immer noch pubertieren. Es wächst zwar was, aber noch nicht so richtig. Und was da wächst, ist an Langeweile kaum zu übertreffen: Langweiliges Gras, langweilige Sträucher und langweilige Antilopen. Ein ständiges Gähnen ist über der Steppe zu hören, das nur ab und an von einem Knall unterbrochen wird, wenn Lopen und Antilopen kollidieren.

Zu den Bewohnern der Steppe gehören das Bison, die Frau des Bisons und ihr Bisöhnchen Oskar, der Schrecken der Karawanenwege. Auch der Tobinambur lebt hier und interessiert keinen, bisweilen werden auch Herden von Offroad-Jeeps gesichtet, die friedlich Kilometer fressen.

Wege durch die Steppe gibt es so viele wie Schwarzerdekrumen, die vom Wind an ferne Orte getragen werden, die enttäuschenderweise immer noch steppig sind. Manche Wege gehen links an einem Hügel vorbei, manche rechts und manche gehen oben drüber. Nur mittendurch gibt’s nicht, da macht die Steppe nicht mit.

Steppen sind oft überlaufen von Einsiedlern, die man an den großen Häusern auf ihren Rücken erkennt. Sie reden nur sehr wenig, meist deswegen, weil eine tragende Wand des Badezimmers auf ihren Kiefern ruht.

Interessanterweise ist Steppen in Steppen nicht gerade hip. Würde ganz Irland in einer Steppe riverdancen, und würde die ganze Slowakei zuschauen, so würde man nur slowakisches Gähnen vernehmen. Allerdings muss zugefügt werden, dass das Ergebnis in Sumpflandschaften, Wattgebieten und Bettenlagern identisch wäre.

Bestünde eine Steppe aus Schokoraspeln, würde einem schnell schlecht werden, vor allem wenn man feststellen muss, dass die großen Raspel aus Antilopenhintern stammen. Bestünde eine Steppe hingegen aus grünen Leuchtdioden, wäre sie bald vom Leuchtdiodentagebau verwüstet, und wäre nicht mehr so unglaublich langweilig.

Merke: Suchst du Spannung in der Steppe, such woanders, blöder Deppe.

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