Turn on the bright lights

27. Okt 2008 at 23:52 (Artikel für dicke Menschen) (, , , , )

Ich kam des Abends nach Hause, und wollte das Licht in dem kleinen Kabuff, dass ich mein Heim nenne, durch Druck auf den bereits ertasteten Schalter erstrahlen lassen, da hörte ich ein zartes Stimmchen rufen: „Tu’s nicht!“.

Das hatte ich nun nicht erwartet, Erschrecken zuckte durch meinen Körper und zog die für diesen Zusammenhang von der Evolution erdachten Muskelstränge in meinem Nacken zusammen. Dies Muskelspiel hatte eine unglückliche Auswirkung: Mein von meinem Gehirn an meine Hand übermittelter Befehl, die Aktivierung des Lichtschalters vorerst zu unterbinden, wurde durch die Nervenballung im Halsbereich abgebremst, so dass ich, wäre das Licht bereits an gewesen, hilflos hätte zuschauen müssen, wie mein Greifapparat das mittlerweile überholte Kommando ausführte, und den Kippschalter deutlich hörbar zum kippen brachte. Ich sah den Akt natürlich nicht, war aber durchaus in der Lage, das Ergebnis zu begutachten: Mein Zimmer, in all seiner sich im Glanze einer 60 Watt Birne spiegelnden Pracht.

Auf den ersten Blick konnte ich nichts ungewöhnliches entdecken, und frage deshalb leise: „Hallo?“

Ein Summen war plötzlich präsent, es kam von überall und nirgends, und klang wie ein mittelgroßer Hummel-Männer-Chor. Hätte der Staat Überwachungkameras wegen Terrorverdacht, oder Verdacht auf Hinterziehung der GEZ-Gebühren in meinem Zimmer geschickt platziert, so wäre in diesem Augenblick das Schreckensweiten meiner Augen für immer auf einem staatlichen Medium gebannt gewesen. So verpuffte der Effekt ohne großen Eindruck bei irgendjemandem zu hinterlassen. Erklärungen für das zu Verarbeitende wogten durch meinen Kopf, brandeten an den Deich der Vernunft und ließen nur einen Schluss zu: Etwas ging nicht mit rechten Dingen zu!

Rechte Dinge wie Naziflaggen und „Adolf und das braune Dutzend“-Actionfiguren fanden sich bis auf meinen Hakenkreuzbettbezug auch nicht in meinem Zimmer, somit blieben nur eher mittlere oder linke Dinge über, wie, so schlotterte es durch meine Gedankensäfte, paranormale Aktivitäten!

Mit einem beherzten Schrittchen trat ich in die Mitte des Raumes, wie ein cooler Motherfucker, der ich ja eigentlich nicht bin, aber trotzdem eine Motherfuckerness ausstrahlend, die auf einer hypothetischen Skala derselben gegen das obere Ende fucken würde.

Das Summen stellte sich ein, und das Stimmchen war wieder zu hören, der Eindruck meines Auftrittes war ihm deutlich anzumerken: „Würdest du das Licht bitte wieder ausschalten?“

Ich machte meinen Schrank als Quelle der Stimme aus, willigte aber wortlos ein und löschte das Licht. „Wer bist du?“ fragte ich, meine Stimme erfolgreich vorm Vergaloppieren in panische Höhen abhaltend. „Und warum kann ich das Licht nicht anschalten?“

Das Stimmchen antwortete: „Ich bin der Engel Gabriel und ich habe Licht-AIDS.“ Unglaublich, dachte ich, da sind einmal Engel in meinem Schrank, zwischen meinen Socken und Unterhosen, und dann leiden sie an abartigen, ansteckenden himmlischen Krankheiten.

Die Schranktür öffnete sich, und hinaus trat ein kleines, aus sich selbst leuchtendes Kerlchen, das nicht größer als eine mittelgroße Mobiltelefonverpackung, oder eine große Ovomaltine-Packung, bei der man oben ein Stück abgeschnitten hatte, also nicht viel, nur ungefähr so viel wie die kleinsten Dosenerbsendöschen hoch sind, war, und eine Blondlockigkeit zur Schau stellte, die ich sofort unsympathisch fand.

„Was machst du in meinem Schrank?“ fragte ich. Verlegen warf die Engelskreatur seine Haarpracht nach links oder von ihm aus gesehen rechts, wo sie auf noch mehr Haarpracht federnd zur Ruhe kam, und seine optische Beschissenheit exponentiell erhöhte.

„Ich musste viel Gutes tun in dieser schlechten Welt, und habe noch viel vor mir, doch ich benötigte eine Pause, und suchte deinen Schrank als Ruhestätte auf. Ich will mich auch so gleich wieder auf den Weg machen.“ Damit entfaltete er die vier kleinen Flügel auf seinem Rücken, brachte sie summend zum Schlagen, und erhob sich einen halben Meter in die Luft.

Er winkte gerade zum Abschied und richtete mit der anderen Hand seine Matte, da ließ ich meine Hand auf den Lichtschalter knallen. Das schmutzige Deckenlicht traf auf den Himmelsboten und brachte ihn mit einem wenig aufregenden Knall zum Platzen.

„Warum?“ verhauchte in der Weite meines Raumes.

Ich blieb die Antwort schuldig.

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