Fruit Fly
Ich bin kein Märchenprinz. Ich gebe nicht einmal einen sonderlich guten Frosch ab. Das liegt an meiner schwachen Backenmuskulatur.
Ich sehe mich eher als ein fast ausgebranntes Glühwürmchen. Etwas glimmt da hinten noch, aber viel ist das nicht. Und es sind nicht die Reste einer radioaktiven Blähung. Ich bilde mir ein, es hätte mal heller geleuchtet, aber meine Erinnerungen lügen wahrscheinlich, wie so oft.
Ich glühwurme einfach so herum, vergeblich auf der Suche nach einer Ersatzbirne. Und werde wahrscheinlich irgendwann von Fröschen gefressen, und glimme dann in ihren Mägen langsam aus. Irgendwie traurig.
Sogar in meinen Träumen komme ich nicht gut weg. Sieht man mal von den vollkommen wirren Phantasie-Gespinsten ab, die ich an dieser Stelle ab und an schildere. Normalerweise bewege ich mich in meinen Träumen in Zeitlupe durch die Welt. Es fühlt sich an, als ob ich bis zum Hals in Wasser stünde, und eine starke Strömung mich fast an der Stelle hält. Nur mit äußerster Anstrengung kämpfe ich mich Stück für Stück vorwärts. Wohin ich eigentlich will bekomme ich nicht mit, denn ich bewege mich so unendlich langsam, das ich schon wieder aufgewacht bin, bevor ich nur einen geträumten Meter weitergekommen bin.
Manchmal sehe ich mich in meinen Träumen auch als Superheld. Also nur als so ein kleiner Superheld in einer Supertruppe Superhelden. Wir retten ständig die Welt, weil so wahnsinnig viele Superhelden auch irrsinnig viele Superbösewichte bedingen. Das sind oft auch nur traurige Gestalten, wie “Die rote Majo”, die alle Majonaise-Vorräte einer MacDonalds-Filiale in Ketchup verwandeln kann. Ein typischer Klasse C Bösewicht.
Ich selber erträume mich leider nicht viel besser. Mein Super-Alter-Ego heißt “Emo Boy”, eine in kiloweise schwarze Umhänge gepackte Gestalt, deren Superkraft darin besteht, allen so lange ins Ohr zu heulen, bis keinen Bock mehr haben, zu machen, was auch immer sie machen wollten, oder so lange “The Cure”-Songs schlecht nachzusingen, bis die umgebenen Trommelfelle Selbstmord begehen. Deswegen werde ich auch meistens in der Superzentrale zurückgelassen, wo ich dann eigentlich nur Super-”Tic Tac Toe” gegen den Supercomputer spiele, und meistens gewinne, weil auch der Supercomputer mein Supergeheule nicht hören mag. Frustrierend.
Ich tagträume dann auch in meinen Träumen, und versuche zu ergründen, was dem Mann aus Stahl wohl nachts so durch die Gedanken fleucht. Wahrscheinlich auch nur feuchte Träume von Lois Lane oder Wonderwoman. Superenttäuschend, aber Superman ist halt auch nur so ein flacher Typ wie wir alle.
Oder ich gucke mit dem Superteleskop zu, wie „Lightning Rod“, der Boss unserer Superhelden-Zelle, gerade irgendwelche Mitläufer mit den Blitzstahlen, die aus seinem Penis schließen grillt. Albern, aber effektiv.
Kein Wunder, dass ich mich nach einer durchträumten Nacht nicht wirklich fit für den Tag fühle. Ich schätze ich sollte mehr Baldrian schlucken.