I’m not worried at all

29. Nov 2008 at 02:24 (Artikel für dicke Menschen) (, , , , )

Es ist soweit: Endlich wieder Spargelzeit! Die vorwitzigen kleinen Köpfe junger Spargelblumen bohren sich durch den Asphalt der Großstädte, um, wie es aller Kreaturen innigster Wunsch ist, aufzusteigen, und Teil des Himmels zu werden. Zu Tausenden lassen sie die dicken Asphaltplatten der Autobahnen bersten, heben die Bodenkacheln und Kopfsteine auf den Plazas und Foren der Städte an, und durchstechen die kiesbestreuten Wege alter Herrschaften in abgesperrten Privatparks, aber durchaus auch die von Kommunen leidlich gepflegten Pfade öffentlicher Anlagen.

Die Städte und Gemeinden senden jetzt wieder ihre Spargelbrigaden aus, Hundertschaften tapferer Frauen und Männer, die, die Sturmsense im Anschlag, sich der Invasion entgegenstellen und unter den Spargeln unblutige Ernte halten.

Denn es ist bittere Notwendigkeit (aber auch die Aussicht auf schmackhaftes Gemüse auf den Tellern aller magentragenden und spargelschlürfenden Geschöpfe) den Spargel in seinen Anfangsstadien zu köpfen. Das rasante Wachstum der Pflanze sorgt dafür, das unbeaufsichtigt wachsende Asparagen binnen weniger Tage Turmeshöhe erreichen, denen auch unter Einsatz von Motorsägen kaum noch Herr zu werden ist. Es erfordert dann schon den Import mythischer chinesischer Kämpfer und Mönche aus dem tiefen Himalaya, die mittels komplizierter Hieb- und Stichtechniken die Spargelstatik derart zu modifizieren in der Lage sind, dass das Gewächs unter dem eigenen Gewicht zusammenbricht.

Doch in unbewohnten Gegenden kommt es dann und wann vor, dass Spargel auch die Turmesgröße hinter sich lassen, und zu gigantischen Säulen heranwachsen, die sich weit in die Atmosphäre bohren. Oft wird man in den fernen Städten erst dann darauf aufmerksam, wenn sie Mittagssonne eines Tages von einem mächtigen Schatten am Bestrahlen der Glas- und Beton-Fassaden gehindert wird.

Mannigfaltige Gefahren drohen: Kollisionen von Flugzeugen sind noch das kleinste Übel. Wird ein Spargel in sich instabil und bricht an der Basis zusammen, schlägt er tiefe Kerben in die Kontinentalplatten, bringt diese teilweise zum Bersten und erzeugt so auf Jahre hinweg Erdbeben und Vulkanausbrüche. Ein weiteres, noch größeres Problem ist die Möglichkeit der Verschiebung der Erdachse. Irgendwann bringt ein Riesenspargel die Erdachse zum Wanken und Taumeln, bis sie sich schließlich so verschiebt, dass der der Pflanzenturm der Nabel ist, um den sich alles dreht. Kalte Zeiten brechen für die Nation an, die es versäumt hat, dem Wachstum rechtzeitig Einhalt zu gebieten!

Doch die schlimmste Gefahr droht von außerhalb der Erde. Ein mehrere tausend Kilometer langer Spargel wird von weitem gerne für einen Penis gehalten. Für brünftige Kleinplanetinnen wäre das das Zeichen zum forschen Angriff, und wie besinnungslos würden sie auf die arme Erde zustürzen, die sich dem Strudel der lüsternen Planetoiden kaum entziehen werden kann und unter ihrem Bombardement öde und leer verenden würde.

Wir wollen alle hoffen, das uns diese Horrorszenarien erspart bleiben werden, oder erst dann eintreten, wenn wir schon wohlbehalten verrottet sind und künftige Generationen den Salat haben.

Stattdessen sollten wir uns alle den Latz vor den Bauch spannen und selbigen mit Spargelleichen füllen, zum Wohle unserer Mägen und dem der ganzen Menschheit. Guten Appetit.

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