Technology won’t save us

10. Dez 2008 at 23:28 (Artikel für dicke Menschen) (, , , )

Weihnachtszeit, die Zeit der verschenkten TFT-Bildschirme. Damit das Geschenk nicht zum Flop wird, hier ein paar essentielle Tipps, die die Haltbarkeit eines Monitors deutlich erhöhen.

  • Von zu vielen übereinander gestapelten offenen Fenstern wird abgeraten. Ein Fenster auf der Desktop-Oberfläche ist zwar prinzipiell flach, dennoch können eine große Menge aufeinander gestapelte Fenster von innen an die Bildschirmverglasung drücken und somit Haarrisse im Monitor erzeugen. Besonders gefährlich ist schnelles Minimieren und Wiederherstellen einer großen Zahl von Fenstern, was in seltenen Fällen zur Explosion des Bildschirms führen kann.
  • Ebenso sollten allzu aggressive Bewegung der Maus vermieden werden. Ständige Kollisionen des Mauszeigers an die Bildschirmränder mit hoher Geschwindigkeit strapazieren den Bildschirmrahmen über Gebühr und können zu erheblichen Haltbarkeitseinbußen führen.
  • Qualitativ minderwertige Monitore leiden öfter unter sogenannten „toten Pixeln“. Diese sollten schnellstmöglich behandelt werden, da verrottende Totpixel das umgebende gesunde Pixelgewebe mit Wundbrand anstecken können, worauf diese nach farbenfrohen Kämpfen ebenfalls absterben. Auch hochauflösende Monitore können somit nach wenigen Wochen unbrauchbar sein. Eine einfache Abhilfe stellt das Programm „Paint“ da. Mittels des Pipetten-Werkzeugs muss der tote Pixel aufgesogen werden und kann dann in einer Datei abgespeichert werden, die anschließend über den Papierkorb gelöscht wird.

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How to be dead

6. Dez 2008 at 00:25 (Artikel für dicke Menschen) (, , , )

Als ich am Morgen aufwachte, war ich tot. Da hätte ich mir das Aufwachen auch sparen können, dachte ich mir noch, da öffnete sich schon eine Tür in der Realität, und Gott guckte hindurch. Ich wollte ihm winken, aber die Nervenimpulse, die nötig gewesen wären meine Hand zu bewegen konnte ich nicht mehr erzeugen.

Gott kam trotzdem ins Zimmer. Er war ein Mann, und hatte einen Vollbart, der so lang war wie die Geschichte der Menschheit. Oder der ganzen Schöpfung. Was fast das gleiche war, wenn die Kreationisten recht hatten. Gott stand jedenfalls vor mir, das war ein Punkt für sie. Der Bart war um seinen seltsam konturlosen Leib gewickelt und schien auch als Kleidung zu funktionieren. Gott hat einen rechtsdrehenden Bart, fiel mir auf, da begann er zu sprechen.

„Was für einer bist du denn?“ fragte er.

Die Begrüßung hatte ich mir irgendwie erhabener vorgestellt. Es fehlte das sakrale Etwas in der Frage.

„Ich…“ sagte ich, und war verblüfft, ohne in der Lage zu sein, meinen Mund zu kontrollieren, sprechen zu können, „ich bin Spartakus Schmidt.“

Das war die Wahrheit, das war der Name, auf den die Seele in meinem Leib hörte, als sie noch durch meinen Körper turnte.

„Spartakus Schmidt? Was ist denn das für ein Name?“

Eine berechtigte Frage, und eine, die mir mein ganzes Leben lang gestellt worden war. Meine Eltern hatten den Namen damit begründet, dass ich mit einem Kirk-Douglas-Kinn auf die Welt gekommen war, das sich aber schon wenige Wochen nach meiner Geburt zurückgebildet hatte.

„Aber egal,“ sagte Gott, bevor ich antworten konnte, „interessiert mich sowieso nicht. Mich kümmert dein Name nicht, er hat seine Schuldigkeit getan, und ist nur noch für den Steinmetz interessant, der ihn in den Marmor klopfen muss. Ich will wissen, was für einer du bist!“

„Aber Gott,“ rief ich verwirrt, „ich weiß nicht, wie ich darauf antworten soll.“

Gott lachte. „Ich bin nicht Gott, Spartakus.“ Er schüttelte sich nochmals vor lachen, was seinen Bart hin- und herwogen, und ihn wie eine weiße Würgeschlange aussehen ließ, die ihr Opfer gefunden hatte. „Ich bin nur der Typ hinter der Tür da. Mehr nicht.“

Das erschütterte mich gehörig. Aber dann dachte ich mir, dass Gott bei sieben Milliarden Menschen sicherlich viel zu tun hat, und wahrscheinlich nur mal selber vorbei schauen kann, wenn ein Papst oder so stirbt. Ich schaute die Tür an, durch die weißes Licht in den Raum floss.

„Und was ist hinter der Tür?“ fragte ich.

„Ich. Sagte ich doch. Aber genug der Fragerei. Ich stelle die Fragen. Ich will wissen, was du bist, warum du existierst, was dich auszeichnet.“

Ich wollte gerade auf die Tatsache hinweisen, dass ich tot war und somit bis auf Verwesen in nächster Zeit nichts mehr machen würde, doch er schüttelte den Kopf.

„Du verstehst nicht. Mich interessiert nicht, was sein wird. Mich interessiert nicht, was war, was du beruflich gemacht hast, was du gelernt hast, was deine Rolle in der Gesellschaft war. Mich interessiert nicht, wie du an Geld gekommen bist, für wen du Verantwortung übernommen hast, und an was oder wen du deine Gedanken verschwendet hast. Wenn du all das ausblendest, und dich auf deinen innersten Kern konzentrierst, was bist du?“

Meine Güte, dachte ich. Was soll man darauf antworten. Was bin ich? Ich hatte absolut keine Ahnung.

Ich schüttelte hilflos den Kopf.

Er nickte. „Du wolltest wissen, was hinter Tür ist. Hinter dieser Tür liegt das absolute Glück. Es erscheint dir wie ein Meer aus reinem Weiß, aber das nur deswegen, weil deine Wahrnehmung überfordert ist und soviel Glück nicht aufnehmen kann.

Du bist noch nicht bereit dafür, Spartakus Schmidt. Ich fürchte, du wirst deinen Namen noch länger deinen Mitmenschen erklären müssen. Wenn du dich gefunden, werde ich dich nochmals aufsuchen.“

Damit trat er durch die Tür und schloss sie hinter sich.

Ich blieb zurück, schwer atmend. Ich war wieder eingeklinkt in meinen Körper, und fühlte das Blut durch meine Adern zirkulieren und hinter meiner Stirn pochen. Ich verspürte eine gewisse Erleichterung, aber sie war nur die Sahnehaube auf einem großen Eisbecher Enttäuschung.

Als ich auf die Straße trat, nieselte es leicht. Ich ging ziellos in eine unbestimmte Richtung, und balancierte nach einer Weile aus einer Laune heraus auf den Bordsteinen. Vielleicht bin ich nur das, dachte ich, ein Bordsteinkantenbalancierer.

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Von der Bedeutung der Dinge: Die Nase

1. Dez 2008 at 23:35 (Von der Bedeutung der Dinge) (, , , , )

Die mächtigen Schwingen, die manch einer inmitten seines Gesichtsfladens trägt, die Nasenflügel, bremsen den freien Fall aus Flugzeugen meist nur unwesentlich. Kein Wunder, denn die Befiederung ist aus evolutionären Gründen stark rückläufig. Nur selten begegnet man noch Menschen mit einem stolzen Federkamm, der sich über die ganze Länge des Nasenrückens erstreckt. Das ist sehr schade, da ein gepflegtes Federkleid sich durchaus modisch ins Gesamtbild der Erscheinung einfügen kann. Zudem wird der Menschheit die Partnersuche sehr erschwert. Würden paarungswillige Weibchen weiterhin an ihrem roten Balz-Deckfedern an der Nasenspitze erkenntlich sein, sähe die Bevölkerungsentwicklung hierzulande sicherlich anders aus. Männliche Artgenossen können sich hingegen glücklich schätzen, dass die bis zu zwei Meter lange Schmuckfeder, die einstmals aus der Nasenoberseite entsprang und senkrecht aus dem Gesicht ragte, sich weitgehend zurückentwickelt hat. Die Zurschaustellung der Männlichkeit muss zwar nun auf anderem Wege erfolgen, doch sind sind die Vorteile, z.B. bei der Bildschirmarbeit nicht wegzudiskutieren.

Die Nasenflügel sind bei den meisten Menschen am Nasenrücken befestigt. Nur selten finden sie sich am Nasenbauch. Der Nasenrücken ragt, einer mächtigen Gebirgskette gleich, aus dem umgebenden Backen- und Wangenflachland, und ist wegen seiner oft nicht unerheblichen Höhe meist ganzjährig vereist. Nur die erfahrensten Sherpas unter den Gesichtsbewohnern (meist Bakterien) trauen sich den Aufstieg zu, und nur die Legenden unter ihnen wagen es, die Nasenspitze zu erklimmen. Das Gelingen dieses Unterfangens lässt sich mit geschultem Auge durch das Vorhandensein eines winzigen Gipfelkreuzes an der ausladensten Stelle der Nase nachvollziehen. Die Heldengesänge der ungebildeten Bakterienmassen für aus diesen luftigen Höhen Zurückkehrenden halten oft für Generationen an. Zum Glück singen Bakterien sehr leise.

Eines der größten Mysterien der menschlichen Physiognomie ist meist gut im Schatten der einsamen Nasenspitze versteckt: Die Löcher. Zwei sind es im Normalfall an der Zahl, oft handelt es sich um kaum sichtbare Einstiege ins Naseninnere, ebenso oft handelt es sich um faustgroße Krater und Schlünde, die dem Interessierten Einblick in die individuelle Innenwelt verschaffen. Doch welche Bedeutung kommt den Löchern zu, außer der Absonderung von Sekreten? Ist etwas dran an der Behauptung, dass Taschentuchkonzerne erst in den letzten Jahrzehnten durch genetische Manipulation von Frühstücksflocken, die Bildung der Nasenöffnungen initiiert haben? Gleiches wird gerne auch kolumbianischen Drogenkartellen in die Schuhe geschoben, aber die moderne Wissenschaft hat an den Tag gebracht, dass in der Tat auch schon der Frühmensch die Nasenpforten besaß. Und auch der Grund für ihre Existenz wurde zufriedenstellend beantwortet: Sie dienen dazu, die Zeigefinger ins Gesicht einzuhaken, damit die Arme beim Durch-die-Gegend-laufen nicht so wild an den Seiten herumbaumeln.

Ich möchte mich abschließend für die weitgehende Entmystifizierung des edelsten unserer Körperteile entschuldigen, und hoffe, das die präsentierten harten Fakten nicht die ganze Magie, die uns beim Anblick eines lieben Menschen durchdringt, entschwinden lässt.

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