Von der Bedeutung der Dinge: Die Nase

1. Dez 2008 at 23:35 (Von der Bedeutung der Dinge) (, , , , )

Die mächtigen Schwingen, die manch einer inmitten seines Gesichtsfladens trägt, die Nasenflügel, bremsen den freien Fall aus Flugzeugen meist nur unwesentlich. Kein Wunder, denn die Befiederung ist aus evolutionären Gründen stark rückläufig. Nur selten begegnet man noch Menschen mit einem stolzen Federkamm, der sich über die ganze Länge des Nasenrückens erstreckt. Das ist sehr schade, da ein gepflegtes Federkleid sich durchaus modisch ins Gesamtbild der Erscheinung einfügen kann. Zudem wird der Menschheit die Partnersuche sehr erschwert. Würden paarungswillige Weibchen weiterhin an ihrem roten Balz-Deckfedern an der Nasenspitze erkenntlich sein, sähe die Bevölkerungsentwicklung hierzulande sicherlich anders aus. Männliche Artgenossen können sich hingegen glücklich schätzen, dass die bis zu zwei Meter lange Schmuckfeder, die einstmals aus der Nasenoberseite entsprang und senkrecht aus dem Gesicht ragte, sich weitgehend zurückentwickelt hat. Die Zurschaustellung der Männlichkeit muss zwar nun auf anderem Wege erfolgen, doch sind sind die Vorteile, z.B. bei der Bildschirmarbeit nicht wegzudiskutieren.

Die Nasenflügel sind bei den meisten Menschen am Nasenrücken befestigt. Nur selten finden sie sich am Nasenbauch. Der Nasenrücken ragt, einer mächtigen Gebirgskette gleich, aus dem umgebenden Backen- und Wangenflachland, und ist wegen seiner oft nicht unerheblichen Höhe meist ganzjährig vereist. Nur die erfahrensten Sherpas unter den Gesichtsbewohnern (meist Bakterien) trauen sich den Aufstieg zu, und nur die Legenden unter ihnen wagen es, die Nasenspitze zu erklimmen. Das Gelingen dieses Unterfangens lässt sich mit geschultem Auge durch das Vorhandensein eines winzigen Gipfelkreuzes an der ausladensten Stelle der Nase nachvollziehen. Die Heldengesänge der ungebildeten Bakterienmassen für aus diesen luftigen Höhen Zurückkehrenden halten oft für Generationen an. Zum Glück singen Bakterien sehr leise.

Eines der größten Mysterien der menschlichen Physiognomie ist meist gut im Schatten der einsamen Nasenspitze versteckt: Die Löcher. Zwei sind es im Normalfall an der Zahl, oft handelt es sich um kaum sichtbare Einstiege ins Naseninnere, ebenso oft handelt es sich um faustgroße Krater und Schlünde, die dem Interessierten Einblick in die individuelle Innenwelt verschaffen. Doch welche Bedeutung kommt den Löchern zu, außer der Absonderung von Sekreten? Ist etwas dran an der Behauptung, dass Taschentuchkonzerne erst in den letzten Jahrzehnten durch genetische Manipulation von Frühstücksflocken, die Bildung der Nasenöffnungen initiiert haben? Gleiches wird gerne auch kolumbianischen Drogenkartellen in die Schuhe geschoben, aber die moderne Wissenschaft hat an den Tag gebracht, dass in der Tat auch schon der Frühmensch die Nasenpforten besaß. Und auch der Grund für ihre Existenz wurde zufriedenstellend beantwortet: Sie dienen dazu, die Zeigefinger ins Gesicht einzuhaken, damit die Arme beim Durch-die-Gegend-laufen nicht so wild an den Seiten herumbaumeln.

Ich möchte mich abschließend für die weitgehende Entmystifizierung des edelsten unserer Körperteile entschuldigen, und hoffe, das die präsentierten harten Fakten nicht die ganze Magie, die uns beim Anblick eines lieben Menschen durchdringt, entschwinden lässt.

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