Schwächer als

29. Sep 2009 at 22:39 (Positivpresse) (, , , )

Die Weakerthans sind eine Band, die sich schon lange auf meiner Amazon-Wunschliste in Form ihres Albums „Reconstruction Site“ tummelten, aber aus irgendeinem, mir sich partout nicht mehr erschließen wollendem Grund es nie bis in den Einkaufswagen geschafft hatten. Bis zu diesem schicksalhaften Tag im September… nun, das geht etwas zu weit, allerdings hat der Kauf und das darauf folgende mehrmalige Lauschen der 14 Songs der Platte dazu geführt, dass ich sofort die restliche Diskographie der Band in den Amazon-Einkaufswagen warf und diesmal auch gleich den Bestell-Knopf tiefstmöglich eindrückte, um mich einem raschen Versand der weiteren drei Alben zu versichern. Mittlerweile ist das Triumvirat angekommen und wurde von mir belauscht, allerdings sprang der Funke erst beim neusten Album „Reunion Tour“ so richtig, die beiden früheren Werke müssen wohl noch etwas meine Hörrinde streicheln, bevor ich den ihnen sicherlich innewohnenden Liebreiz so richtig schätzen kann.

Was macht die Band nun aus, ist die Frage, die sicher der Leser (gäbe es ihn), stellen müsste. Warum sollte ich Geld in eine CD oder ein paar MP3-Dateien investieren, die dann ins reiche kanadische Winnipeg fließen (würde nicht die böse, böse Musikindustrie dem Künstler nicht schon den Großteil des Erlöses in ihre schwarz-modrigen Eingeweide abpumpen), anstatt einem armen kenianischen Kind für den gleichen Preis den Schulbesuch für ein viertel Jahr zu ermöglichen? *) Meine Güte, würde ich erwidern, hier argumentativ die Oberhand für die Weakerthans zu gewinnen ist ja quasi unmöglich, außer ich würde die böse, böse Entwicklungshilfeindustrie ins Spiel bringen. Was ich nicht mache, deshalb macht doch was ihr wollt.

Sollte man sich aber irgendeine moralische Begründung zurechtgelegt haben, die es einem erlaubt, ein Album zu erwerben, so böte sich das folgende im Falle des Albums „Reconstruction Site“:

Der Tonträger, sofern man noch nicht gänzlich in die digitalen Weiten abgeschweift ist, hält vierzehn einzelne Stücke, die alle zum Entzücken des Hörers unterschiedlich sind. Nun, das stimmt nicht ganz, denn das erste („(Manifest)“), das mittlere („(Hospital Vespers)“) und das letzte („(Past-Due)“) teilen die gleiche Melodie, und erzählen die Geschichte eines Todkranken. Vor allem lyrisch gehören die drei Songs zum so ziemlich besten, was ich kenne, aber auch musikalisch sind sie ziemlich perfekt, es ist der zweite Song, und dort die zweite Strophe, die es mir aus irgendeinem Grund besonders angetan hat:

You tried not to roll your sunken eyes,
and said „Hey can you help me, I can’t reach it.“
Pointed at the camera in the ceiling.
I climbed up, blocked it so they couldn’t see.
Turned to find you out of bed, and kneeling.
Before the nurses came, took you away,
I stood there on a chair and watched you pray.

Das ganze Album kommt nicht unbedingt gutgelaunt daher, ist aber auch nicht durchgehend todtraurig. Der Titeltrack beispielsweise ist etwas nostalgisch und trotzig hoffnungsvoll:

Buy me a shiny new machine
That runs on lies and gasoline
And all those batteries we stole from smoke-alarms
And disassembles my despair
It never took me anywhere
It never once bought me a drink

Weitere Anspieltipps sind „One great city!“ (mit der schönen Zeile „I hate Winnipeg“) und „The Prescience of Dawn“.

Auf einen Song des Albums muss noch gesondert eingegangen werden: „Plea from a cat named Virtute“ ist ein schöner Song, der die Beobachtungen einer Katze (die „Virtute“, nicht etwa „Virtue“, was aber wohl das gleiche, nur auf lateinisch bedeutet, heißt) erzählt, deren Herrchen in Alkohol und Selbstmitleid dahinvegetiert. Sie erzählt, wie das Leben laufen sollte, was er tun könnte, um diesem selbstzerstörerischen Zyklus zu entkommen, und droht/ermuntert am Ende:

All you ever want to do is drink and watch TV
And frankly that thing doesn’t really interest me
I swear I’m going to bite you hard
And taste your tinny blood
If you don’t stop the self-defeating lies
You’ve been repeating since the day you brought me home
I know you’re strong

Auf „Reunion Tour“ wird die Geschichte dann in „Virtute the cat explains her departure“ weitergesponnen. Es geht also offensichtlich nicht gut aus, Virtute lebt auf der Straße und verliert am Ende wunderschön traurig vorgetragen die letzte Bindung an ihr Herrchen: „I can’t remember the sound that you found for me“

Was bleibt? „Reconstruction Site“ und auch „Reunion Tour“ sollten sofort gekauft, alternativ geklaut werden, um das eigene Seelenheil zu sichern. Prost.

*) Schulkosten geschätzt.

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Where do you go to my lovely?

21. Sep 2008 at 23:03 (Positivpresse) (, , , , )

Ich möchte einen Film loben.

Gute Filme verdienen des Lobes, denn sie unterhalten mich, und bringen Friede und Freude ins Leben. Der Eierkuchen ist im Kinofoyer günstig zu erwerben.

Es gab kein Foyer, wo ich die Ehre hatte, den Film, den ich hier bespreche, zu sehen, denn ein Foyer ist in meiner Wohnung nicht vorgesehen gewesen. Schande über den Architekten, denn ein Eierkuchen wäre mir ganz recht gewesen.

Ich sah den Film also in der heimischen Stube, zusammen mit meiner Decke und einer 250 Gramm Tafel Ritter Sport „Alpenmilch“. Wir sind die besten Freunde, die Decke und ich, ständig hängen wir miteinander rum. Schokoladentafeln sind vergänglich, deswegen hatte ich keine besondere Beziehung zu ihr aufgebaut. Im Nachhinein stellt sich hier ein leises Bedauern ein. Vielleicht sollte ich bewusster mit Dingen umgehen. Wenn noch irgend ein Stück Schokolade in meinen Magensäften noch unaufgelöst ist, möchte ich mich an dieser Stelle dafür entschuldigen, dass wir uns nicht die Zeit genommen haben, uns in unsere Existenzen hineinzudenken und -fühlen, und dafür, dass ich nur die offensichtliche Interpretation von Ritter-Sport-Tafeln als Lebensmittel wahrgenommen, und mögliche tiefergehende Betrachtungen vollkommen außer Acht gelassen habe.

Der Film, den ich sah, war auf einer DVD in digitaler Form daniedergelegt. Das ist eine feine Art, Filme daniederzulegen, denn sie ermöglicht es, die DVD (und damit den Film!) in ein Laufwerk zu legen. Das hat den Vorteil, dass die DVD nicht im Weg herumliegt. Als weiteren Bonus, wird so das Abspielen der DVD ermöglicht, was sich in einem leisen Summen des Laufwerks ausdrückt, das beruhigend auf die Umgebung wirken soll. Was es tatsächlich auch tut!

Der Film lief insgesamt gut 90 Minuten, was eine fantastische Zeit für einen Film ist, zu laufen. Längere Filme tendieren dazu, über eineinhalb Stunden zu gehen, was nicht so gut ist. Allerdings gab es einen zwölfminütigen Vorfilm.

Nach dem Film fühlte ich mich seltsam. Ich überlegte, warum das wohl der Fall sein mochte, und kam zu dem Schluss, dass es mit meinem Gehirn zusammenhängen muss. Ich muss wohl mal zum Arzt.

Der Film ist also sehr gut, und jeder sollte ihn kaufen. Prost!

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This will destroy you

26. Aug 2008 at 22:27 (Positivpresse) (, , )

Das Kritisieren liegt dem Menschen im Blute, gerne mäkelt man an Schöpfungen anderer. Doch auch die Begeisterung über Kreationen eines Künstlers wird häufig mitgeteilt, in Feuilletons diverser Tagespublikationen und auf Internetseiten jeglicher Couleur und seltener auf aus Flugzeugen stürzenden Rinderhälften eingeritzt.

Als Vegetarier verbietet sich mir die Rinderhälfte von selbst, als Kreatur des Internets nutze ich selbiges, um ein Album zu besprechen. Ein Album einer Band, mit ordentlich Musik drauf.

Das Album hat den schönen Titel „This will destroy you“, die Band erstaunlicherweise ebenso. Meine Verblüffung darüber war recht mittel, ich blüffte vom Nachmittag, als ich es erfuhr, bis in den frühen Abend. Was war wohl zuerst, so schlängelte die Frage dem Fragezeichen, das sie beendet, gleich meine Gehirnwindungen entlang, das Album oder die Band?

Unerheblich, wird man jetzt sagen, und unerheblich sage auch ich. Es ist die Musik darauf, die zählt, und die ist, die erste Hürde nehmend, durchaus besprechenswert.

Das Album beginnt wenig überraschend mit dem ersten Stück, das ganz gut ist. Es folgt das zweite, dann das dritte. Als das vierte dann beginnt, meint man ein Muster zu erkennen, aber dann folgt erstaunlicherweise das fünfte! Die Stücke sechs und sieben bringen das Album zum Abschluss.

Besonders angetan haben es mir die Stücke Nummer eins, fünf und sieben. Sie sind sehr gut, etwas rauchig im Abgang, haben durchaus Feuer, und lassen das Tanzbeim recht flott in den Steinbock aszendieren.

Ich möchte nun abschließend eine Kaufempfehlung aussprechen: Kauft T-Shirts bei C&A, man bekommt so schöne Tüten dazu.

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